Erſtes Kapitel. Der Kammerer führt ſeinen Entſchluß in allem Ernſte aus.— Was ein Weib in der Einſamkeit alles denkt.
„Sie iſt's! Welch' ein Thor bin ich geweſen, in der Welt umher zu reiſen!“ ſagte der Kammerer Laß⸗ man, als er an der Ecke der Königinſtraße und Meiſter Samuels Gäßchen Liſa Normans weißen Schleier und rothen Shawl gewahr wurde. Liſa kam eben von einer ihrer gewöͤhnlichen Wanderungen nach dem Triangel zu⸗ rück; und es war in der That ein ganz eigener Zufall, daß ſie heute am Abend dahin gegangen war, indem ſie dieß gewöhnlich ſonſt Morgens that.
„Willkommen, willkommen, liebſter Oheim! Welch' ein Zufall!— wie unverhofft— Sie kommen aber gerade recht! Nun, wenn werden Sie ſie heimführen, Onkelchen? Die ſchelmiſche Liſa merkte wohl, daß die Freierei für dieß Jahr zu Ende war, da der Alte ſo un⸗ vermuthet heimkehrte. Sie kehrte um und begleitete den Kammerer die Treppe hinauf.
„Nun, ſagen Sie, Oheim, wann holen Sie denn Ihre Braut?“ wiederholte ſie lächelnd, als ſie auf ihre erſte Frage keine Antwort erhielt.
„Du wirſt es ſchon erfahren, Liſa. Es iſt gut, daß ich Dir gerade begegnet habe, ſo brauche ich doch nicht nach dem Schlüſſel zu gehen. Laß uns jetzt hinauf gehen.“
„Ei Gott bewahre, glauben Sie denn, ich wollte mich ſo lange aufhalten? Wenn Sie erſt ein Mal oben


