Teil eines Werkes 
1.-3. Theil (1844)
Entstehung
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mit ſie ihm den Sonnenſchirm hinreichte, für weniger als Nichts zu rechnen ſchien.

Liſa wir wollen der Gewohnheit des Kammerers folgen und ſie auch ſo heißen ſaß auf der mittlern Bank neben Muhme Neta, welche ſich an die Seite des Kammerers gemacht hatte, um, wenn ſich eine günſtige Gelegenheit dazu darböte, ihm Einiges zu Wills Gunſten an das Herz zu legen. Liſa's friſche Wangen, über welche ihre ſchönen langen Locken herabſielen, waren von einem Strohhütchen mit blaßrothen Blumen beſchattet. Ihre ſchwarzen ſchelmiſchen Augen ſchielten nicht ſo lebhaft wie gewöhnlich, allein man konnte wohl merken, daß ſie einen großen Vorrath von Feuer beſaßen, wenn ſie es für nöthig fand, davon Gebrauch zu machen. Der Shawl war her⸗ abgefallen und ließ einen wohlgebildeten milchweißen Nacken ſehen. Die Guitarre ruhte nachläſſig auf ihrem Schooß und unter der Draperie hervor, welche die Hofmeiſterin ſorgfältig von ihrem Mantel gebildet hatte, waren eln paar niedliche Füßchen ſichtbar, welche in den allernettſten Zeugſtlefelchen ſleckten. Denkt man ſich ferner, wie Liſa's, faſt konnte man ſagen Roſenfinger mit den Saiten der Guitarre ſpielten und wie Vetter Will, in des Notars braunem Gehrock zur Seite ſtand und den Sonnenſchirm hielt, ſo hat man das Bild, wie es vor dem trunkenen Blicke der Mutter ſtand.

Haſt Du denn noch nicht genug präludirt? fragte der Kammerer ein wenig ungeduldig.

Liebſter, beſter Herr Vetter, das muß ſo ſeyn! ver⸗ ſetzte Frau Norman, welche gar gerne ihre Bekanntſchaft mit den modernen Sitten und Gebräuchen zur Schau trug.

3 Liſa heftete ihren flatternden Shawl mit einer golde⸗ nen Nadel feſt, wies Will an, den Paraſol mehr vor die Sonne zu halten und begann dann mit einem netten Stimmchen den langerwarteten Geſang:

Liſe ſein

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