Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
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„Ich habe mir große Vorwürfe gemacht daß ich ſie nicht auch ohne Dich ſo gefunden, nachdem Gott mir all dieſe unver⸗

geßlichen Wohlthaten erwieſen hat. Was bin ich, daß ich all meine Hoffnungen erfüllt ſehen ſollte, und noch weit mehr!

„Früher ſagte ich oft zu Dir— obſchon Du mirs nicht glaubteſt— Dein Vater werde dereinſt etwas Anderes als den beſtändigen Ableiter all ſeiner Launen in mir erblicken.

„Nun wohl, ſeit Deiner Krankheit bringt mir jetzt jeder Tag die ſicherſten Beweiſe daß ich ihm, ich möchte faſt ſagen, unent⸗ behrlich geworden bin. Er hat ſich jetzt gewöhnt mich in allen Dingen um meine Anſicht zu fragen. Keines von uns ſpricht je davon daß es früher anders geweſen. Ich glaube auch nicht daß er je daran denkt.

„Muß ich denn nicht bei alle dem immer und immer wieder zu mir ſelbſt ſagen, daß dieſes Nachſommerglück Alles übertrifft was ich je verdient oder gehofft hatte? Es wäre für mich hart geweſen, wenn ich die früheren Prüfungen unter den Augen der jungen Frauen hätte durchmachen müſſen. Aber jetzt kommt der⸗ gleichen nie mehr vor... Und alles das iſt aus einer großen Betrübniß hervorgegangen. Sollten wir alſo nicht in Demuth erkennen daß„die Widervärtigkeit nützlich iſt für das Men⸗ ſchenherz?“

„Aber wie Manchen iſt gar nichts Anderes als Zank, Kämpfe und Betrübniß zu Theil geworden! wie Manche kämpfen un— aufhörlich, ohne eine andere Linderung als ihre Thränen, ohne die flüchtigſte Sommerfreude! Alle dieſe betrübten Seelen liegen mir bisweilen ſchwer auf dem Herzen. Aber dann denke ich daß auch für ſie, inſofern ſie mit Glauben und Geduld kämpfen, ein Tag des Friedens und der Belohnung kommen wird, wenn auch erſt mit dem Abendſtrahl, wo die Nacht und die Dämme⸗ rung ſich begegnen.

„Daß Du, meine geliebte Majfken, ein angebetetes und

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