Teil eines Werkes 
3. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

liebenswürdig dieſe Perſon auch ſein mag, ſo iſt ſie doch immer⸗ hin die dritte. Die Liebe aber will eine Unterhaltung unter vier Augen— mißgönne mir alſo nicht einige Minuten der Seligkeit. Sie fliehen ja doch, verjagt von Ernſt und Kummer, ſo ſchnell dahin.“ „Mein lieber Commandant, Du haſt im letzten Jahr oft gleichſam ein wenig mit dem Glück geſchmollt. Es gibt Dir nie genug, obſchon es Dir doch viel gibt.“— „Was kannſt Du daran tadeln, meine Maid? Das möchte

ich Dich fragen. Hat der Menſch das Recht in Etwas unge⸗

nügſam zu ſein, ſo iſt es doch wohl in der Liebe.“

„Das gehört nicht hieher, denn was die Liebe betrifft, ſo weißt Du wohl daß wir die Freiheit haben einander ſo innig zu lieben als wir vermögen, von ganzem Herzen und von gan⸗ zer Seele.“

„Ja das iſt allerdings ganz gut und ſchön, aber da man recht und ſchlecht ein Menſch iſt, ſo hat man auch menſchliche Gefühle und ein ganz beſonderes Verlangen ſein Liebchen ohne fremde Geſellſchaft zu treffen. Und nachdem wir zwei jetzt einen ganzen vollen Monat nur an und für Andere gedacht haben— weßhalb ich auch zwanzig Mal des Tags dieſen verdammten Holt verwünſchte— ſo iſt es gewiß nicht mehr als billig ein ein⸗ ziges Mal mit Herzensluſt und aus Herzensgrund auch an ſich ſelbſt zu denken.“

„Daß ich Dich juſt jetzt ſo ſehen muß, gefällt mir gar nicht, mein Gudmar. Du biſt ſelbſtſüchtig oder ſtellſt Dich ſo, während ich Dich von andern Eindrücken belebt zu finden hoffte.“

„Aber ich will auch darauf ſchwören, daß ſogar die kleine Heilige, wenn ſie ſich einmal verlobt, ihr Verhältniß als Braut von einem liberaleren Standpunkt aus betrachten wird als Du, meine Majken.“

Majken antwortete Nichts, aber ſie nahm eine Kleinigkeit

vom Tiſch und begann ſie anzuſchauen.

—y—

—