Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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Einundfünßigſtes Kapitel. Brief Emiliens an ihre Mutter, vier Monate ſpäter.

Svartſfkär, den 1. Auguſt 183. Nein, geliebte Mutter, jetzt gibt es nicht mehr viel, worüber man ſich freuen kann.

Dein Beſuch vor zwei Monaten iſt noch immer mein Glanz⸗

punkt, denn ſo gut wie damals iſt es nie geweſen. Es war als hätte die Sonne damals klar über mir geleuchtet, um her⸗ nach den Nebeln deſto größeren Raum zu geſtatten.

Oft durchgehe ich in meinen Gedanken dieſe vier Monate, von der großen Contorſcene an, wo ich ſelbſt meine Vertheidi⸗ gung führte und einen vollſtändigen Sieg über Holt errang... Ach, in dieſem Augenblick, als Ake ſo voll von Vertrauen, Zärt⸗ lichkeit und hochſinnigem Rechtsgefühl auf mich zukam, da glaubte ich nicht, daß ich je wieder an der Beſtändigkeit dieſer Gefühle zweifeln müßte. Aber jetzt wundere ich mich, wie ich es wagen konnte mich auf dieſe Erklärung zu verlaſſen, die blos vor Holt und nicht zwiſchen uns ſelbſt ſtattfand.

Ach ich war ſo überglücklich, daß ich, Gott ſei Dank, keine Secunde in der Zukunft lebte.

Die Zukunft kam jedoch allzu ſchnell.

Wie gut erinnere ich mich noch der Sorgfalt womit ich mich

zum Mittageſſen kleidete, und des Vergnügens, das mir mein Spiegel machte, als er mein Werk für gelungen erklärte!

Holt konnte natürlich an dieſem Tag nicht bei Tiſch erſchei⸗ nen. Ake trat allein ein. Ich flog ihm entgegen, ich warf mich in ſeine Arme, aber er hatte ſchon in den wenigen Stunden unſerer Trennung einen Theil ſeines fremden und verlegenen Weſens wieder angenommen. Ich war gleichwohl noch ſelig, denn ich machte mir eine Menge ſchöner und fwöhüicher Gedanken über dieſe Rückhaltſamkeit.