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Zweites Kapitel.
Der Brief nach Hauſe.
Im innern Zimmer ſaß inzwiſchen die Neuvermählte und ſchrieb folgende Epiſtel an ihre Mutter: Geliebte, theuerſte Mama!
Es ſind erſt vier Tage, ſeit ich am Tag nach meiner Hoch⸗ zeit von Haus abreiste, und bereits ſind mir tauſenderlei Dinge ... was ſage ich Dinge— ach nein,[Schickſale, wahre Schickſale zugeſtoßen; auch glaube ich mich nicht zu täuſchen, wenn ich dieſelben als Einleitung zu Millionen anderer betrachte. Ich verſprach Dir mit dem Anfang anzufangen, und das will ich auch thun.
Als das große Fruͤhſtück nach dem Hochzeittage zu Ende war und Du mich in das blaue Zimmer nahmſt, um ein wenig allein mit mir zu ſprechen, da ſagteſt Du unter Anderem:
„Meine liebe Mimmi, Du haſt ſo wenig Zeit gehabt Dei⸗ nen Mann kennen zu lernen, daß Du ihn wahrſcheinlich gar nicht kennſt. Vergiß nicht, daß Deine Verlobung ſo ſchnell und beinahe ſonderbar kam, daß ich ſagen mußte: Gott gebe, daß Du nicht durch irgend eine Unvorſichtigkeit.
Hier hielteſt Du inne, Mama, wahrſcheinlich weil Du Er⸗ barmen hatteſt mit meiner brennenden Röthe und meinem wir⸗ ren Geſchwatze über den Abſchied aus dem elterlichen Hauſe. Aber jetzt, da viele Meilen zwiſchen unſern Augen, wenn nicht auch zwiſchen unſern Herzen liegen, will ich das Bekenntniß ab⸗ legen, daß er... daß er... o mein Gott, welches ſchwere und verdrießliche Wort... ſo aufgemuntert wurde, daß er nicht ausweichen konnte. Dummes Herz, das einige für keine ſolche
Bedeutung berechneten Worte als vollwichtig aufnahm! Oder
wollte ich ſie mit Berechnung ſo aufnehmen? Wahrſcheinlich, denn es war an dieſem Abend weder Mondſchein noch ſonſt


