23 ihren Augen den mindeſten Werth haͤtte; ſie uͤberſah mich, und nahm von den ſuͤßen Re⸗ gungen, die mir die Bruſt ſchwellten, nicht die geringſte Notiz; und dann hatte Lina, in jenem Geſpraͤche mit dem Onkel, der bit⸗ tern Erfahrungen erwaͤhnt, die ſie fuͤr ihr Alter ſchon gemacht haben wollte. Das alles entfremdete mich dem Maͤdchen; aber daß es mein Ernſt nicht war, daß ich dem Kinde doch wohler wollte, als ich mir einbildete, es zu ſein, beweiſ't mir eben der Aerger uͤber dieſe Gleichguͤltigkeit.
Waͤre mir nur ein einziger Freund in der Welt geworden, dem ich mich haͤtte anvertrauen koͤnnen. Aber außer dem Herrn Profeſſor und dem Fuͤrſten, der mich bei erſterem ſeit einem Jahre erziehen ließ, kannte ich in der ganzen Reſidenz keinen Menſchen.
Es mag wohl auf dieſem Erdenrunde kein niederdruͤckenderes Gefuͤhl geben, als das, nicht geliebt zu ſeyn; ich haͤtte fuͤr Linchen mein Leben aufgeopfert, und ſie that gar nicht als ob ich in der Welt waͤre; ich ergrimmte uͤber mich ſelbſt, daß ich ſo ſchwach war, konnte mir aber nicht helfen.


