2²9 er ihre fruͤhere Zuneigung fuͤr eine Verirrung ih⸗ res Herzens, fuͤr eine jugendliche Uebereilung an⸗ ſehe? Konnte— ſie hatte einmal ſelbſt geſtan⸗ den, daß ſie von Eiferſucht nicht ganz frei ſey — konnte ſie nicht dem Wahne Raum geben, daß mich eine von den bildſchoͤnen Wienerinnen um das Reſtchen meines Verſtandes gebracht habe, und die unbegreifliche Einfalt, mit der ich alle meine Anſpruͤche freiwillig aufgebe, blos Maske ſey?— Der Brief, der vermaledeite Brief darf nicht fort, rief ich von peinigender Angſt gefoltert, laut aus, griff nach dem Hut und ſtuͤrzte fort, Wenzeln nach, aber dieſer kam mir ſchon in der Hausthuͤr entgegen, und be⸗ richtete mit unausſtehlicher Selbſtgefaͤlligkeit, daß er, wie er einmal den Schlaf aus den Au⸗ gen gehabt, nur ſo geflogen waͤre, und daß ein Kourier, der eben in unſere Gegend abgegangen, meine Depeſche mitgenommen habe. Kurios, ſetz⸗ te er laͤchelnd hinzu: wie der Kammerdiener da⸗ mals aus Italien zuruͤckkam, blies Chriſtian, der naͤrriſche Kerl, der Poſtknecht aus Kaͤferlingen, das luſtige Stuͤckchen: Ich hab einmal ein Schaͤtzl g'habt
Ich wollt ich haͤtt es noch.


