26
chen Fracturſchrift beſchaͤftigt, als Kunigunde eintrat und mich erſuchte, ihr einige Federn zu ſchneiden.
Haͤtte ich nicht einige dergleichen zu meinem Bedarf ſchon neben mir liegen gehabt, ich waͤre um keinen Preis im Stande geweſen, ihr den geforderten Liebesdienſt zu erzeigen; ſo erſchrocken war ich, uͤber den unerwarteten Beſuch. Die
Stelle in der Mutter Briefe an deren Schweſter,
wo von dem verdammten Federſchneider⸗Verhaͤlt⸗ niß zwiſchen Gundelchen und meinem Vorgaͤn⸗ ger Benjamin, Erwäͤhnung geſchah, ſtand wie eine mit Flammenbuchſtaben geſchriebene War⸗ nungtafel vor mir. Sollten die Kopfſchmerzen bloßer Vorwand, und die ungewoͤhnlichen drei Glaͤſer Wein?— ich zitterte an Haͤnden und Fuͤßen, die Wangen uͤbergoſſen ſich mir mit gluͤ⸗ hender Roͤthe und inwendig uͤbereifte mich ein kalter Schauer, bis auf die Knochenhaut. Zufaͤllig hatte ich der Verſucherin in das Ge⸗ ſicht geſchaut. Das Koͤpfchen rund und huͤbſch geformt, die Wangen aber bleich und weiß und mit Sommerſproſſen uͤberſaͤet, die Lippen blaß, die Zaͤhne faſt alle ſchwarz, das Stumpfnaͤschen nicht uͤbel, unter den Augen, die aus dem


