Teil eines Werkes 
6. Th. (1820)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

179 ein mit ſchwarzem Krepp verhangener Rahmen von mittlerer Groͤße; ein Kranz von Immor⸗ tellen daruͤber.

Was iſt das, Alter? fragte ich, und nahm den Zipfel des Trauervorhangs zwiſchen die Finger.

Das iſt die beſte Freundin des Fraͤuleins geweſen! entgegnete ernſt der Alte, ſah mich bedeutend an, ſchlug das Kreppgehaͤnge vom Gemaͤlde zuruͤck, und das Bild meiner Mutter laͤchelte freundlich wehmuͤthig mir entgegen.

Unwillkuͤhrlich rief ich laut aus: Meine Mutter, meine gute Mutter! legte beide Haͤnde gefaltet vor die Bruſt, und des Schmerzes bit⸗ tere Thraͤnen ſchoſſen mir in's Auge. Ich haͤtte mit ihr ſprechen moͤgen, ſo aͤhnlich war jeder ih⸗ rer lieben Zuͤge. Ihr lebendiger Geiſt, die Engels⸗ milde ihres Herzens, der ſanfte Ernſt ihres Cha⸗ rakters meine Mutter ſelbſt ſtand vor mir.

Das iſt unſeres Fraͤulchens letzte Arbeit,

12*