„Verdammen Sie mich nicht, mein Herr,“ ſagte ſie leiſe, legte beide Haͤnde ge⸗ faltet auf ihre ſchoͤne Bruſt und ſenkte den Kopf.„Ich bin ungluͤcklich— ſehr un⸗ gluͤcklich.“ Sie barg das Geſicht in ihr Tuch und weinte.
„ungluͤcklich?“ wiederholte Wilth und ſein Blick umfaßte die ganze Grazien⸗Ge⸗ ſtalt des Maͤdchens, das wie eine Buͤßende vor ihm ſtand.„Nein, ungluͤcklich ſollen Sie nicht ſehn. So wahr ein Gott lebt. Seyn Sie barmherzig: halten Sie mich für einen rechtlichen Mann. Haben Sie Ver⸗ trauen zu mir. Wie kamen Sie hieher? Erzaͤhlen Sie?“
Karoline erzaͤhlte nun, von Thraͤnen und Seufzern oft unterbrochen, und aͤußerſt leiſe, um nicht behorcht zu werden: ſie ſey mit ihren Aeltern nach Leipzig gekommen, um ſich mit einigen Verwandten aus Dresden ein Rendezvous zu geben.„Nach einem Aufenthalte von acht Tagen,“ fuhr ſie fort,


