Teil eines Werkes 
61. - 63. Bdchn (1828)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

lionar ſeyn. Er hat ſich ſeit dem Tauftage um un⸗ ſern Jungen nicht bekuͤmmert, und nun Wir waren, fuhr Hilaritas fort,damals ſo arm, als jetzt. Der gute alte Ober⸗Steuer Rath hatte uns bei dem Geratterſcherze wahrſcheinlich ein recht ergiebiges Eingebinde zugedacht; ich hatte mich im Stillen darauf gefreut; ich wollte es mei⸗ nem Fritz aufheben, und es austhun und Zins auf Zins dazu legen, daß, wenn der Junge groß wuͤrde, er ein Kapitaͤlchen habe, mit dem er etwas anfangen koͤnne; aber, ich mochte das Taufbettchen um und um wenden, der Herr Gevatter Reichhart hatte nichts hineingelegt. Der Junge ward jaͤhrig. Jetzt meinte ich, muͤßte der Herr Pathe ſchicken. Aber der Herr Pathe ſchickte nichts.Nun aber Frau, unterbrach ſie der Kantor halb unwillig,wie konn⸗ teſt Du auf ſo etwas nur im Entfernteſten rech⸗ nen? Die Griechen und Roͤmer hatten gar keine Pathen, und wurden doch groß gezogen und kamen glücklich durch die Welt. Herr Reichhart, das kannſt Du Dir doch an den Fingern abzaͤhlen, wird Jahr aus Jahr ein vielleicht ſeine zehn⸗, zwanzigmal zu Gevatter gebeten; wenn er alle ſeine Pathen ſo be⸗ denken ſollte, wie Du es ſcheinſt haben zu wollen, fraͤßen ihm die Rangen die Haare vom Kopfe. Er hat die ganze Gevatterſchaft laͤngſt vergeſſen, und denkt an den Jungen mit keiner Sylbe. Darum meinte ich eben, entgegnete Hilari⸗ tas,ob es nicht raͤthlich geweſen, den Jungen bei dem Herrn Gevatter Reichhart in Erinnerung zu