Teil eines Werkes 
73/77 (1848) Harold, der letzte Sachsenkönig : historischer Roman / von Edward Bulwer Lytton. Aus d. Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
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uns in den Norſa⸗Chroniken gar Vieles erzählt: ſie waren oft von hohem Rang und Neichthum, von zahlreichem Gefolge ihrer Hausmägde und Diener begleitet— Könige führten ſie auf den Ehrenplatz in der Halle, wenn Rath von ihnen verlangt wurde, und ihre Häupter waren heilig wie die der Diener der Götter.

Dieſe letztere Stellung in dem gräßlichen Reiche der Wiglaer (Zauberlehrer) geziemte natürlicherweiſe dem hohen Range und der ſtolzen, aber blinden und verkehrten Seele der Tochter jener Krieger⸗ könige. Jede Ausübung ihrer Kunſt, der ſie ſich ſeit langen Jahren gewidmet hatte, im Intereſſe des niedrigen Schickſals pöbelhafter Leute verſchmähte Odins Kind in hoher Verachtung: ihre Träumereien waren auf das Schickſal der Könige und ihrer Reiche gerichtet; ſte wollte ſolche Dynaſtien retten, oder erheben, welche über die noch un⸗ geborenen Geſchlechter regieren ſollten. In ihrer Jugend ſtolz und ehrgeizig— was ein gemeinſamer Fehler nordiſcher Frauen iſt— brachte ſie bei dem Eintritte in die dunklere Welt all' jene Vorurtheile und Leidenſchaften mit ſich, welche ſie ſchon in der früheren ſonnebe⸗ leuchteten Hälfte ihres Lebens gekannt hatte.

Alle ihre menſchlichen Neigungen concentrirten ſich in ihrer En⸗ kelin Editha, dem letzten Sprößling zweier königlichen Stämme. Ihre Nachforſchungen über die Zukunft hatten ſie verſichert, daß Leben und Tod des ſchönen Kindes mit den Geſchicken eines Königs verwebt ſeyen, und das nämliche Orakel hatte auf eine geheimnißvolle unauflösliche Verbindung ihres eigenen zertrümmerten Hauſes mit dem blühenden Geſchlechte Earl Godwin's, des Gemahls ihrer Baſe Githa, hinge⸗ deutet, ſo daß ſie mit der großen Familie, ſowohl durch die Bande des Aberglaubens, wie durch Blutsverwandtſchaft aufs Innigſte verknüpft war. Godwin's erſtgeborener Sweyn war anfänglich ihr Liebling und Augapfel geweſen; auch hatte er ſich, der überhaupt in ſeinem Weſen weit poetiſcher war als ſein Bruder, ihrem Einfluſſe bereitwillig unter⸗

* Der Name dieſes Gottes iſt Odin, als Gegenſtand der ſkandinaviſchen Verehrung, oder Wodan, wenn auf die Gottheit der Sachſen bezogen.