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mal auſglaͤnzte, um dann fuͤr immer hinter des godes naͤchtlichen Gewoͤlken zu verſchwinden. In den Augenblicken, wo die Seele mit ih⸗
ren Banden rang, um in die Stille der Geiſter⸗
welt uͤberzugehn, fand ſie Bewußtſein und Spra⸗ che, und mit ihnen auch den Glauben an Lev wieder, der ihre lezten Stunden noch beſeligte.
Wie ein banger Traum lag die Vergangen⸗ heit hinter ihr, und ſie wendete den fromm verklaͤr⸗ ten Blick von ihr ab, um ihn auf jene Zukunft
zu richten, die im Morgenroth himmliſcher Hoff⸗
nung vor ihr tagte. Laͤngſt war ſie fertig mit dem irdiſchen Leben, und mitten in der Fuͤlle der Jugend bereits reif geworden zu dem Eintritt in das Land der Vollendung, wo ihr Emil als fruͤh gelaͤuterter Engel ihrer harrte, und wohin Leo, wie ſie mit ſeſter Zuverſicht glaubte, dereinſt ihr olgen! werde, um von menſchlichen Irrthuͤmern ge⸗ heilt, fuͤr alle Ewigkeit ihr anzugehoͤren. Richt mehr drangen die Schauder der lezten Begeben⸗ heiten in ihr fuͤr nichtiges Treiben der Welt ſchon geſchloſſenes Ohr, und ungeſtort ſchwang ſich ihr Geiſt hinauf zum urgquell des reinſten Lichts, von dem er ſtammte. Mild, dankbar und liebend, wie ſie gelebt hatte, ſchied ſie, verſohnt mit ihrem
Schickſal, am Buſen der treuen Freundin dahin,
und ruht nun friedlich unter den Trauerweiden, die den Huͤgel ihres Kindes beſchatten.
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