294 die Bande des Koͤrpers abzuſtreifen, die lez— ten Traͤume des Bewußtſeins, die oft, gleich
bunten Seifenblaſen, das muͤde Haupt um⸗
ſchweben,— alles dies läßt uns mit tiefem Erkennen der Nichtigkeit alles Irdiſchen in die immer duſterer emporſteigenden Schatten der Todesnacht blicken, in denen des Daſeins heilige Flamme zuckend auflodert, und dann verſchwindet.
So wird bei dem Fremdeſten, der vor unſeren Augen die Schuld der Natur bezahlt, das Herz von Ernſt und Wehmuth ergriffen; wie um ſo mehr aber dann, wenn das We⸗ ſen, das wir ſterben ſehen, uns nahe ſtand, wenn wir es liebten, und von ihm geliebt wurden. In ſolchen Augenblicken, wo wir nicht mehr vermoͤgen, den in hoͤhere Regio⸗ nen entfliehenden Geiſt zuruͤck zu halten, oder auch nur die Leiden zu lindern, denen der Koͤrper erliegt, erquickt uns, wie milder Balſam, der eine brennende Wunde kuͤhlt, das Zeugniß des Bewußtſeins, daß wir einſt alles thaten, das Lebei zu beglucken, das jezt gleich einem fluͤchtigen Schatten zu ent⸗


