Züge der Waiſe verdeckt, und die Arme ihr entgegen breitend, ruft er im Tone der Liebe und des Wahn⸗ ſinns aus: Komm', komm' an das Herz deines Gat⸗ ten! War dieß nicht dein letztes Aufleben!.. Elo⸗ die! ich höre dich noch; ja, du rufſt mir zu:»Es iſt mir Bedürfniß deinen Hauch zu athmen; ich Betstt deines ganzen Lebens.«
Carl, die Arme nach ihr ausgeſtreckt, S ſich. als ob das übermaß der Liebe und des Schmer⸗ zes ihm ein Wunder ſchuldig ſey; als ob die Waiſe
auf ſeinen leidenſchaftlichen Ruf vom Grabe ſich erhe⸗ ben, und an ſein Herz ſtürzen würde. Gott! wie
ſchön ſie noch war! Bekränzt mit weißen Roſen, eine friedliche Jungfrau, ſchien ſie noch im Tode zu lächeln. Weiß wie der reine Alabaſter waren ihre langen geſenkten Augenlieder wie von einem ſüßen Schlafe geſchloſſen; ihre erſtarrten Hände hielten einen Lilienſtrauß, den ſie an ihren Buſen zu drücken ſchien. Bey der Heiter⸗ keit ihrer Züge hätte man glauben ſollen, daß ein ſe⸗ liger Traum ſie mit Entzücken umgaukle, und der Him⸗ mel ſchien das Meiſterwerk der Natur nur auf Augen⸗
plicke der Erde entnommen zu haben. Carl hatte ſich plötzlich nach dem Trauerlager gebeugt; ſanft ſchlang
er ſeine Arme um das junge Mädchen, als ob er fürchte, ſie zu verletzten, als ob er beſorge, ſie zu erwecken;— eiligen Schrittes floh er dann aus der Capelle, und gleich dem Alciden, als er Alceſte den ſchattigen Ufern entriß, ſchneller als der Sturmesblitz floh er nach dem wilden Berge.
Schon hatte der Fürſt die Brücke des Stromes


