röthe erhellte den Himmel; der Fürſt hatte ſich aus dem Thale entfernt, furchtlos flog die Waiſe nach dem ländlichen Pavillon, dem Zeugen der Spiele ihrer Kind⸗ heit; und glücklich in der Erinnerung an die Vergan⸗ genheit, ſuchte ſie einen Augenblick die Gegenwart zu vergeſſen.
Das Gartenhaus beherrſchte die Wieſengründe von Underlach. Aus der Ferne hatte Marceline Elodien be⸗ merkt; in ſchnellen Schritten lief ſie auf dieſe zu; die Thüre des Parks ſtand offen, und Marceline war bey Elodien.
»Endlich ſeh' ich Euch wieder,« rief die Sybille des Dörfchens mit Begeiſterung aus:»was für Ereig⸗ niſſe haben ſeit wenigen Tagen unſern abgelegenen Can⸗ ton durchlaufen! Eine prophetiſche Stimme hat ſich auf dem Cederngipfel unſers Thales erhoben; ſonſt war das Floſter unſer Zion; das Verbrechen thront im Aller⸗ heiligſten; wehe dem Tempel!«
„O Himmel, was wollt Ihr damit ſagen*« rief das junge Mädchen erſchreckt.—»Waiſe Taube, über Eurem Haupte ſchwebt der Raubvogel, er öffnet ſeine blutenden Krallen.. Fliehet, wenn es noch Zeit iſt— Wohin?«—»In das Gebirge; es iſt nicht eine unter unſern Hütten, welche Euch nicht einen ſichern Zufluchtsort biethen ſollte.«—»Wer ſoll mich ba ſchützen 7«—»Der Himmel, er bleibt unſere ein⸗ zige Hülfe. Das Geſtirn unſerer Thäler iſt in den Wol⸗ ken verſchwunden; hier iſt kein Hafen mehr für Schiff⸗ brüchige; kein Gidron mehr, um die Philiſtäer nieder zu ſchmettern.«
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