Schleyer bedeckt. Der Sturm hat unſere Gegend ver⸗ wüſtet; die arme Marceline hat das Wenige verloren, was ſie beſaß, und die grauſamſte Dürftigkeit droht ihren letzten Tagen.«—
»Ach! daß ich nicht das Vermögen meiner Vor⸗ altern beſitze,« ſagte mit leiſer Stimme die Waiſe.— „Morgen«, erwiederte Herſtall,»morgen, mein lieber Anſelm, wollen wir Marcelinen tröſten.«
Schon ſeit langer Zeit hatte Marceline im Thale von Underlach ſich niedergelaſſen. Nie hatte jemand entdecken können, in welchem Lande ſie geboren war, wer ſie erzogen, wo ſie ihre Jugend verlebt hatte. Große Unglücksfälle hatten ſie gebeugt, ſagte man; aber Marceline, für welche die Erinnerungen ſchmerz⸗ lich waren, vermied mit Sorgfalt jeden Gegenſtand der Unterhaltung, der ihr Unglück ihr zurückrufen konnte. 1
Ihre Erziehung war ohne Zweifel ſorgfältig ge⸗ weſen, denn ihre Sprache war rein und bemerkens⸗ werth durch ihre Kraft. Ihre Kleidung war die der Dorfbewohnerinnen, ihre Manieren waren einfach, und dennoch war nichts gewählter als ihre Ausdrücke, nichts mehr begeiſtert als ihre Gefühle, nichts feuri⸗ ger als ihre Geſpräche; ein Gegenſtand des Staunens und der Bewunderung, war ſie das Orakel des Thales. Die Gebirgsbewohner kamen, um ſie zu Rathe zu ziehen, hörten ſie mit Entzücken, befolgten gewiſſen⸗ haft ihre Anweiſungen, und gleich der Sybille der Bructer war Marceline die Prophetinn des Thales. Bey den Strahlen des Tages ſtieg Elodie aus ihrer
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