Heft 
(2025) 1/2025. Dezember 2025
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42 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Gerüchte, zum Beispiel, dass eine Ka- mera in Krakau angefordert worden Sei, dass ein polnischer Zivilarbeiter den Apparat ins Lager eingeschmug- gelt hätte oder dass die Kamera in der Habe von Deportierten an der Rampe oder im Effektenlager gefunden wor- den und über das Birkenauer Män- nerlager oder das Pffektenlager zum Sonderkommando gebracht worden Sei. Allerdings ist keine der überliefer- ten Versionen plausibel. Sehr wahr- scheinlich wurde die Kamera direkt von einem Sonderkommando-Häft- ling in einem der Entkleidungsräume innerhalb der Krematorien oder auf dem EFntkleidungsplatz von Kremato- rium IV gefunden, da viele Deportier- te ihre let?ten Wertsachen und sogar kleine Beutel mit ihren Habseligkei- ten bis in die Todes?zone mitgebracht hatten.

Die Frage nach der Herkunft der Kamera und nach dem Weg zum Kre- matoriumsgelände ist indessen nachrangig, da die Kamera nur ein Werkzeug war. Ohne geeigneten Foto- grafen, der über grundlegende Kennt- nisse zur Bedienung einer Kamera verfügte, wäre der Fotoapparat nut?- los gewesen. Aufnahmen während ei- ner Mordaktion konnten nicht von eit nem eingeschleusten Fotografen, sondern nur von anwesenden SS-An- gehörigen oder heimlich von einem ortskundigen Sonderkommando- Häftling gemacht werden. Beides war strengstens verboten.

Die Hypothese der Auftragsarbeit ist Zu verwerfen, weil die Initiative nur vom Sonderkommando ausgehen

konnte. Die Häftlings-Zeugen aus der Todes?zone hatten ein Figeninteresse daran, Beweise des Massenmords zu hinterlassen, da sie wussten, dass sie als Geheimnisträger von der S8 er- mordet werden würden. Seit 1943 ver- fassten einige Sonderkommando- Häftlinge selbstständig geheime Aufzeichnungen, vergruben diese seit 1944 mit weiteren Beweisen wie Fotos, Ausweisen, im Ghetto angefertigtem Schmuck, Geld aus verschiedenen Ländern, Zähnen, Haaren und Asche von Ermordeten auf dem Krematori- umsgelände und planten einen Auf- stand, der die Vernichtungsanlagen zerstören und den Massenmord been- den sollte.

Diese Aktionen wurden ebenso wenig von außen in die Wege geleitet oder gesteuert wie die Anfertigung von geheimen Fotografien der Ver- nichtung. Sie konnten im Herzen der Todesfabrik ausschließlich vom Son- derkommando selbst geplant und um- geset?t werden. Aber für ihr Vorgehen brauchten sie Verbündete. Im Sonder- kommando war eine Widerstands- gruppe aktiv, die mit anderen gehei- men Gruppierungen im Lager kooperierte, um Beweismittel aus dem Lager zu schmuggeln. Als diese Ko- operation scheiterte, vergruben die Sonderkommando-Aktivisten seit Au- gust 1944 Beweismittel auf dem iso- lierten Gelände der Krematorien I und II und hofften, dass diese Zeug- nisse des Massenmords nach der Be- freiung des Lagers gesucht und gefun- den werden würden.

Fines ihrer Mitglieder, der Sonder-