Konzentrationslager-Besuch hinterließ tiefen Eindruck
polenrelsende erstatteten Bericht- Brlef an Bundeskanzler Kohl
vESTEND. Erfreulich zahlreich war mit etwa 100 Perso- nen der Besuch beim Gemeindeabend, zu dem Pfarrer Joachim Proeschoidt im Namen von St. Katharinen in das CGemeindehaus in der Leerbachstraße eingeladen hatte. Anlaß fur das Zusammenkommen war die polenreise von Gemeinde-
mitglledern
E ten Vollien.
Ergebnis insbesondere. des Be- suchs im chemaligen KZ Ausch- wita ist außerdem ein Brief an Hel- mut Kohl, in welchem die Einrich- tung einer Gedenkstätie gefordert wird.
Die aus 26 Personen bestehende Reisegruppe hatte sich zu zwei Dritieln aus Jugendlichen, aber auch aus vier ehemaligen Hftlin- gen des Konzentrationslagers zu sammengesetzt. Darunter Her- mann Reineck, Generalsekretär des»Freundeskreises der Ausch- witzer Und eins KuRN Hãfi- ſing Nummer 63387. Er der we- sentlich am Zustandekommen der Reise beteiligt wur unddi- noen⸗ digen Kontakte zu anderen Ausch- witzern knüpfte, bei denen die Gruppe wůhrend ihres Aufenthal- tes in Krakau zu Gast war.
W Joachim Proescholdt den FN chtete wurde die Idee 2u der Reise im Ralimen eines Unter- richtsprojektes ↄom Lessinggymna- sium zum Thema»Krieg und Ge- walt« geboren. Proescholdt be- suchte mit der Klasse, in der er Un- terricht gibt, die Ausstellung-Bil- der aus Auschwitz“ im Dominika- nerkloster und lernte dort mit sei- nen Schülern Hermann Reineck kennen Am 1. Oktober machte aich die Gruppe auf die Reise und besuchte innerhalb von zehn Tagen einen großen Teil Polens. ange fan- gen von Fchlesien. die Stadi Bres- lau, Tschenstochau, Krakau und schlieBlich Warschau.
„Schulern und Konfirmanden vowie ehemaligen Aunchwitzhäfilingen Im Oktober dieses Jahres, über deren und Ergebniase die Teilnehmer nun Zericht erstat-
Zwölt Teilnehmer berichteten nun an dem Gemeindeabend über ihre Erlebnisse an der Grenze. über die Begegnung mit chemals schlesischen Städten, die erlebte Gastfreundschaft, die heutige Si- tuation der Solidarität und natür- lich den Besuch des Konzentra- tionslagers Auschwitz und des an- geschlossenen Todeslagers Birke- nau, das bei allen einen besonders tiefen Eindruck hinterlassen hat
Versöhnung
Untergebracht waren die Rei- senden während ihres Auschwitz- Besuches in Kral au bei ehemali- gen Haftlingen des Konzentra- tionslagers Joachim Proescholdt hob besonders da„mulmige⸗ Ge- fühl hervor, das sie als Deutsche anfangs beschlich, als sie diesen ge quãlten Menschen gegenübertra- ten Nur zu bald jedoch legte Sich dieses Gefühl durch die herzliche und tiefe Gastfreundschaft der ehemaligen Haftlinge und ihrer Fa- milien, bei der der Gedanke der Veròhnung, wenn auch nicht des im Vordergrund stand
it Verwunderung allerdings mußte die Gruppe ſeststellen»daß in Auschwitz neben sehr beein- druckenden Gede nkstätten vieler auslndischer Staaten?war die DDR eine Dokunentaton über Verfolgung, Keiden und Tod deul- scher Frauen und Männer erstelli
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hat, daß aber eine entsprechende Darstellung durch die Bundesre- publik Deutschland fehlt.⸗
Dieser Verwunderung gab die Gruppe in einem Brief an Bundes- kanzler Helmut Kohl Ausdruck, in welchem gleichzeitig um die Be- reitstellung von Mitteln zur Erstel- lung einer solchen Dokumentation gebeten wird. Außerdem leiteten sie Kopien des Schreibens den zu- ständigen Bundestagsabgeordne ten zu Während von diesen eine Reaktion bereits größtenteils vor- liegt, steht die von Helmut Kohl noch aus.
Wie Joachim Proescholdt ab- schließend erklärte, ist auf Grund der großen Resonanz dieser Reise dereits eine weitere geplant, die voraussichtlich Ostern 1985 3tarten soll und über einen längeren Zeit- raum gehen wird.(M/wg)
Reisenotizen aus Polen


