Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 45
davon, mit seiner ganzen Familie und mit der Familie seiner Frau nach Isra- el Zu gehen.“(In Harts, S. 6 f.) Chaim Wolnerman ist es zu verdanken, dass Gradowskis zweites Manuskript den Weg ins gelobte Land gefunden hat, ob im Original oder als Abschrift bleibt offen.
Alle Ubersetzungen der letzten Jahrzehnte beruhen auf Wolnermans Abschrift und auf seiner Erstveröf— fentlichung. Die internationale Ver- breitung ist Jetti und Jossi Wolner- mans großer Unterstüt?ung zu ver- danken. Gradowskis zweites Manus- kript wird daher untrennbar mit der Familie Wolnerman verbunden blei- ben. Die Nachlassverwahrung von Gradowskis Zzweitem Manuskript ist eine große Verantwortung und Bürde, die in Fret? Israel im Spannungsfeld von Politik und Religion steht. Die Originalseiten liegen verstreut in N- rusalem, Otniel und möglicherweise noch an einem dritten unbekannten Ort, der inzwischen seinen Zweck ver- loren haben könnte, nachdem das Werk am 1.1.2015 urheberrechtlich gemeinfrei wurde.
Hoffnung auf Wiederentdeckung Wie die Fälle der Wiederentdeckung von zwei Sonderkommando-Hand-— schriften, des Briefs von Herman Strasfogl und des Manuskripts von Lejb Langfus, nahe legen, ist das Auf— tauchen des Originals nicht unwahr- Scheinlich: Strasfogls Brief wurde von Karen Taieb 2018 als Fotokopie im Memorial de la Shoah entdeckt und aus dem Familienbesit? in das Memo-
rial-Archiv überführt, Langfus wurde 1973 von Mordechai Giechanower als Verfasser eines anderen Texts identifi- ziert, und die von Ester Mark 1969 il- legal aus Polen mitgenommene und von ihr verwahrte Original-Hand- Schrift erst im Jahre 1990 kurz vor ihrem Tod an das Vad Vashem-Archiv übergeben. Dort wurde die bedeuten- de Quelle nach ihrer Zugänglichma- chung im Online-Katalog der Digital Collections im Jahre 2018 von Profes- Sor Nicholas Chare entdeckt.
Die Zusammenführung aller Ori— ginalseiten und ihre Uberantwortung an ein sicheres und geeignetes Archiv könnte einen Heilungsprozess in Gang Setzen, der die Unstimmigkeiten der Nachkriegszeit überwindet, Gradows- kis Werk vorwurfslos wieder vereint, überhaupt erst gründlich wissenschaft- lich untersuchbar macht und das ver- schollene Manuskript der Ungewis- sheit entreißt. Gradowskis Manuskrip- te sind das Einzige, was von ihm aus Auschwitz-Birkenau befreit wurde, in seinen Worten lebt er weiter.
Die Schriften sollten nicht reli- quiengleich verstreut bleiben, sondern unter konservatorischen Gesichts- punkten angemessen verwahrt wer- den, um vor Krieg oder vor Zer- störung durch unterschiedliche Ursa- chen geschützt werden zu können, wie es einem kulturellen Erbe der Menschheit zusteht.
„Nichts geht wirklich verloren. Es befindet sich nur irgendwo, wo es nicht hingehört.“
Vheodor Fontune(J579— 75065)


