Heft 
(2024) 1/2024. Dezember 2024
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 37

Finfluss hatten sie jedoch auf die Ent- wicklung des Antisemitismus in Polen und auf dessen Folgen für das Ausch- wit? Museum. Vom 14.-29.8. 1966 führ te eine zweite deutsche ASZ-Gruppe aus der DDR Arbeiten in Birkenau durch. Während Aufräumarbeiten am Krematorium II wurden viele Gegen- stände, unter anderem Brillen, Käm- me, Scheren, Löffel, Münzen und Knöpfe, gefunden. Ab 1967 wurden die Erhaltungsarbeiten durch deutsche Gruppen von Sühnezeichen West (AsF) fortgesetzt, nachdem DDR Behörden die Versöhnungsaktivitäten untersagt hatten. Verordneter Koope- rationspartner der AsSF wurde der Ver- band der Kãmpfer für Freiheit und De- mokratie(ZBoWiD), der unter dem Vorsit? des polnischen Innenministers und ehemaligen Geheimdienstlers Mieczyslaw Moczar(1913-1986) stand und eine wesentliche Rolle bei der an- tisemitischen Hetze spielte, die in der März-Kampagne 1968 und der Ver- treibung von Juden aus Polen ihren Höhepunkt fand. Moczar soll Anfang der 1960 er Jahre eine Abteilung für Ahnenforschung zur Uberprüfung discher Wurzeln bis in die achte Gene- ration bei Parteifunktionären, Wissen- schaftlern und Offizieren gegründet haben. Präsident des Obersten Rates des ZBoWiD war der Ministerpräsi- dent Polens, Jõ7ef Cyrankiewicz.

Die erste ASF-Gruppe hob einen Graben um die Mauern der Gaskam- mer von Krematorium II aus, bei Aus- grabungen am 14.8.1968 wurden von einer weiteren Gruppe in der Gaskam- mer von Krematorium III drei Schutz-

gitter der Lüftungsanlage gefunden. Infolge fehlender Sicherheitsvorkeh- rungen stürzte daraufhin eine Wand der Gaskammer ein.

Während junge Deutsche die Rui- nen deutscher Massenvernichtungsan- lagen in Birkenau freilegen, säubern und Zu deren Erhalt beitragen sollten, durften jiddisch-sprachige Beweise der Verbrechen wie die Sonderkomman- do-Handschriften seit September 1964 nicht mehr gesucht werden und verrot- teten auf dem Krematoriumsgelände. Offenbar wurden die Ruinen deut- scher Mordarchitektur als erhaltens- werter betrachtet.

Nicht einmal eine Fußnote Der kanadische Filmemacher Peter Vronsky schrieb 1989 in seinem Be richt zu einem geplanten Hilmprojekt über die Bergung einer Handschrift: Die Schriftrollen haben eine Bedeu- tung, die über ihren Inhalt hinausgeht. (...) Ihr Zweck bestand darin, dass sie von uns gefunden werden sollten.(..) Unsere Generation war das Ziel dieses Werks, und wenn wir diese Dokumente in der Erde verrotten lassen würden, wäre das ein Verrat an diesen Män- nern.(...) Sie hätten laut und drama- tisch vor den Augen der ganzen Welt geborgen werden müssen. Stattdessen bleiben sie nicht einmal eine Fußnote der Geschichte- als ob sie nicht exi- stierten.(The Auschwitz Scrolls, Pro- duction Evaluation Report, S. 7; VVM, RG P25, File 94) Der Leitsat?Damit kein Gras darüber wachse.. galt of- fensichtlich nicht für alle Bereiche glei- chermaßen. o