48 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
ben, wie sie wirklich waren, damit sie nicht mit dem Lauf der Zeit verzerrt werden.
Auch deshalb war es von besonde- rer Bedeutung, dass die Vereinten Na- tionen die Existenz des Holocausts durch ein formales Gedenken aner- kannten. Dieses offizielle Gedenken der Vereinten Nationen- am 27. Januar eines jeden Jahres, dem Tag der Befrei- ung von Auschwitz- bleibt auch zukünftig der unmissverständliche Hinweis an die gesamte Welt und ins-
besondere an alle Leugner—, dass der Holocaust in der Jat ein eil unserer ge- meinsamen Geschichte ist.
Wir Uberlebenden sind den Verein- ten Nationen schr dankbar für solche weltweite Anerkennung, obwohl sie sechzig Jahre auf sich warten ließ. Trotzdem, Anerkennung allein reicht nicht. Wir Uberlebenden werden nie die Millionen vergessen, die ermorde wurden. Denn wenn wir verge würde das Gewissen der Menschheit neben den Opfern begraben werden.
Beim Gedenken nicht die Gegenwart ignorieren AK beklagt Hetze gegen Flüchtlinge und Minderheiten
Anlãsslich des Gedenkens an die Pogrome des 9 November 1938 warnen die Uherlebenden im Internationalen Auschwitz Komitee eindringlich vor dem Erlurken rechitsextremistischer Bewegungen in Europa. Sie geben ihrer Befürch- tung Ausdruci, dass in einigen Kegionen und Ldndern Europas Neonazis nich
enischiede genug belcmpft werden.
„Das Gedenken in historischen Zu- sammenhängen reicht nicht aus“, be- tont Christoph Heubner, Exekutiv-Vi- zepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees.„Zum Blick in die Vergangenheit gehören auch der Blick ins Heute und der Blick in die Zukunft. Sonst erstarrt Gedenken in sinnlosen Ritualen. Wer gedenkt, muss auch den eigenen Alltag in den Blick nehmen wollen. Antisemitismus, Hetze gegen Sinti und Roma, Ablehnung und Aggressivität gegenüber Flüchtlingen gehören mittlerweile in Europa vieler- orts Zum gesellschaftlichen Alltag und rufen bei den Bürgern oft kaum mehr als ein Kopfschütteln hervor.
Wenn es Rechtsextremen zuneh- mend gelingt, die Mitte der Gesell-
schaft in ihrer Angst vor Flüchtlingen und Fremden zu Demonstrationen des Hasses abzuholen, dann muss die Fra- ge nach dem Verbot von Organisatio- nen wie beispielsweise der NPD Deutschland-erneut und dringend ge? stellt werden. Es drängt sich die schlimme Befürchtung auf, dass in ei- nigen Regionen Furopas Neonazis im- mer mehr in die gesellschaftliche Mit- te hineinsickern und nicht entschieden genug bekämpft werden.
Auch deswegen ist es an der Zeit, die Werte Furopas, die nach dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges und dem Entsetzen von Auschwitz von vielen geteilt wurden, neu zu beleben. Demokratie und Joleranz brauchen engagierte Bürger, die sie verteidigen.“


