40 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Gemeinsam mit der Gruppe der Studierenden aus Frankfurt war auch Alexander Wolf, stellvertretender Vorsitzender der LagergemeinschaftAuschwitz. nach Ravensbrück(siche S. 33 39) gefahren. Auch für ihn war es der erste Besuch auf dem Gelände des ehemaligen Frauenkonzentrationslagers in der Uckermark. Er legt den Schwerpunkt seiner Recherchen auf die Oberaufseherin Porotha Binz.
Das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück
und die Oberaufseherin Dorothea Binz Werdegang einer Verbrecherin
Was hatte ich nicht schon alles über Ravensbrück gelesen, vom Höllentor von Anja Lundholm bis hin zum Ka- lendarium.
Der Reichsführer 8S8, Heinrich Himmler, nannte Ravensbrück einmal sein Lieblingskonzentrationslager, s0 dass er sich persõnlich um den Standort kümmerte. Die Gefängnisse und Ne- benlager waren von Frauen überfüllt, so dass unbedingt ein eigenes FKI. benõtigt wurde. Die Wahl des Standor- tes fiel auf Ravensbrück, das Himmler bei einer Inspektionsreise in der Ucker- mark entdeckt hatte.
Es lag 80 Kilometer von Berlin in der unmittelbaren Nãhe der 800 Finwohner zählenden Gemeinde Ravensbrück. Bei der Ortswahl spielten vor allem geogra- phische Fragen sowie die vorhandene Infrastruktur eine Rolle. Der Bahnhof von Fürstenberg war nur einen Kilometer vom Lager entfernt und lag an der wich- tigen Bahnlinie Berlin-Neustrelitz. Der Schwedtsee und die ausgedehnten Wald- gebiete schufen natürliche Grenzen zu den umliegenden Ortschaften. Nach Fürstenberg verlegte Himmler auch den Sitz des bis dato in Berlin ansässigen Reichskriminalpolizeiamtes(RPKA) Sowie auch die Ausbildungsschule für die Sicherheitspolizei(Sipo).
Das Areal für das Lager Ravens- brück hatte eine Größe von mindestens
20 000 Quadratmetern. Kurz nach Er. richtung durch 500 Häftlinge aus dem KI Sachsenhausen ordnete der Reichs- führer S8 für die am 15. Mai 1939 erstmals eingetroffenen 867 Frauen (860 Deutsche, 7 Osterreicherinnen) aus Lichtenburg die Prügelstrafe an.
Unsere Ankunft in Ravensbrück Gegen 14 Uhr stand ich vor dem See über den Anja Lundholm in ihrem Buch geschrieben hat. An seinen Rändern be- finden sich heute, Grill- und Camping plãtze und was sonst noch so alles an Freizeitmõglichkeiten angeboten wer- den kann. Im Sommer soll natürlich auch gebadet werden. Bei diesen Ge- danken lãuft mir ein Schauder über den Rücken, wenn man bedenkt, dass in die⸗ sem See der unmittelbar mit eineN Ufer an das Lager grenzt, die SSScher- gen die Asche der verbrannten Hãftlin- ge hineingeschüttet haben. Auf diesen See senkten sich die Rußschwaden von den Krematorien. Erschütternd fand ich dazu auch die Nãhe vom FKI zZur Stadt Fürstenberg.
Wãhrend unseres Aufenthalts wohn- ten wir in Hãuser, in denen zur NS-Zeit die Aufseherinnen untergebracht waren. Diese Gebäude sehen teilweise aus, wie kleine Landhäuser, auf einer kleinen An- höhe, mit Balkonen, Erkern und einer Grünanlage versehen. Der freie Blick auf


