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(2013) 2013
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38 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

durch die Wirtschaftskrise oder den Krieg geprägten kleinbürgerlichen Le- benslauf vorzuweisen. Die Aufscherin- nen fuhren zusammen in den Urlaub, machten Fotos mit schönen Landschaf- ten im Hintergrund, gingen miteinan- der schwimmen. Aufnahmen über die- ses„Schöne“ Leben belegen dies.

Anschließend widmeten wir uns in Gruppen der Iextarbeit und Vorberei- tung einer Präsentation. Es ging um die Rezeption weiblicher Täterschaft und die Ravensbrück-Prozesse, orien- tiert an der„Arztin“ Herta Oberheu- ser, die auf der Krankenstation unter anderem mit Injektionen mit Phenol und anderen Substanzen mordete. Sie leugnete ihre Täterschaft, wurde von der Forschung dämonisiert und„ver- männlicht“, wohl um die Erkenntnis wegzurationalisieren, dass auch Frau- en Täterinnen waren.

„Unsichtbares“ Jugend-KZ Am Nachmittag wurde die Umgebung des Kernlagers erkundet: Das Sie- menslager, das Männerlager und das Jugendkonzentrationslager Ucker- mark. Vom Siemenslager sind nur noch die Fundamente sichtbar, einiges wurde von den Sowiets entweder um- gebaut oder geschliffen, der Umfang ließ sich nur erahnen. Vera wies darauf hin, dass noch weniger als das KZ selbst bekannt wäre, dass es ebenfalls ein Männerlager gegeben hat, welches unabhängig vom Frauenkonzentrati- onslager mit eigener Infrastruktur an gleicher Stelle erbaut worden war. Wãhrend dieser Begehung bemerk- ten wir, dass vorwiegend auf dem Gelände des nicht mehr sichtbaren Mu- gendkonzentrationslagers Uckermark, des einen kleinen Stein mit einem me- tallenen, stilisierten Stacheldraht darum

als Denkmal hat, eine Initiative Schilder mit Beschriftungen angebracht hat, die erklären, wo man sich gerade befindet und was sich hier zugetragen hat.

Anscheinend hat es darüberhinaus wohl einmal ein Camp gegeben, wel- ches sich dieser Aufgabe gleichfalls ge- widmet hat. Offiziell hört die Gedenk- stätte nämlich kurz nach dem Kernla- ger auf, man plante sogar, eine Auton hbahn auf diesem Gebiet zu bauen. D Ablehnung des Projekts aufgrund des- sen, dass es sich hier um ein Gebeit ei- nes ehemaligen KZs handelt, wurde in der Umgebung mit großem Unmut zur Kenntnis genommen.

Wir gingen auch an verfallenden Gebäuden vorbei, die noch im Ori- ginalzustand waren, beispielsweise an den hölzernen Warenhäusern, die wie in Auschwitz Kanada genannt wurden, in denen unter anderem Lieselotte Thumser-Weil, ein verstorbenes Mit- glied der LGA, Zwangsarbeit verrich- ten musste. Es fehlt das für den Erhalt oder die gedenkstättenpãdagogische Nutzung benõtigte Budget.

Am 10. März diskutierten wir erneut der Frage, inwiefern Täterschaft nor mal, pathologisch oder anders zu tassel ist, und wie aus Menschen Täter werden können. Die intensive Textarbeit und Vorstellung der Ergebnisse dauert bis in den Abend. Es findet noch eine Vorstel- lung einer Aufnahme von Loretta Waltz statt, die Lieselotte Thumser Weil zeigt, wie sie das erste Mal im hohen Mter das KZ Ravensbrück als freier Mensch be- geht und die dortigen ihr bekannten Vorgänge und noch erinnerten Erfah- rungen berichtet, kurz nachdem die Ro- te Armee 1994 abgezogen ist.

Es stellt sich heraus, dass im Lager selbst Produktionsstätten für alle mõg-