32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
andersetzung mit der nationalsozialisti- schen Vergangenheit und antidemo- kratischen, die Prinzipien unteilbarer Menschenwürde, unteilbarer menschli- cher Grundrechte und der Toleranz missachtenden Finstellungen in der Gegenwart. Lernen, Trauern, Geden- ken sind an den Orten unaufhörlich miteinander verbunden. Und neben den Funktionen als historische Mu- seen, Forschungsstätten, Orte histori- Scher Aufklärung und gesellschaftlicher Selbstreflexion und Finrichtungen mit humanitären Aufgaben, sind KZGe- denkstätten auch Friedhöfe und Sach- Zeugnisse und Denkmale aus der Zeit.“
MAm Beispiel Dachau skizziert Pistel in einem zweiten Abschnitt die Ent- wicklung einer Gedenkstätte. In Deutschland kümmerten sich zunächst die deutschen Hãftlinge um die Stãtten der Verfolgung. Ab 1980 meldeten sich mit Roma und Sinti, Zeugen Jehova und Homosexuellen die„vergessenen Opfer“ zu Wort, deren Verfolgungs- Schicksale erst dann Beachtung fanden. Und nach den politischen Umwälkzun- gen in Osteuropa riefen sich auch die KZUberlebenden dieser Länder hier im Westen in Frinnerung.
Erst Spãt begannen sich die histori- sche Forschung und die öffentliche Aufmerksamkeit den Orten der KE Außenlager zuzuwenden,„die über- wiegend in den letzten Kriegsjahren entstanden waren und in denen vor al- lem osteuropãische Juden für die deut- sche Kriegsindustrie schuften muss- ten“. Distel konstatiert,„dass erst in der letzten Lebensphase der KZUber- lebenden die Vieffalt ihrer Herkunft, ihres kulturellen, politischen und reli- giõsen Hintergrundes deutlich wurde,
die Verschiedenheit ihrer Verfolgungs- schicksale, die von Alter, Nationalitãt und Verfolgungsgrund abhingen. An den KZ Gedenkstätten wird ihr Erbe bewahrt und ihre Geschichte weiterge- geben.“ Abzuwarten bleibe,„in wie weit die nachfolgenden Generationen dies für eine humanere Gesellschaft nutzbar machen können“.
In einem dritten Abschnitt schreibt Barbara Distel über aktuellen Rechts- extremismus und die Bedeutung der
Gedenkstätten heute. In Dachau 9
es 2001 zu gewaltsamen Zerstörung und Schmierereien mit antisemiti- schen, antiisraelischen und antiameri- kanischen Parolen gekommen. Polizei- liche Ermittlungen blieben ergebnis- los. Erschüttert waren besonders die ehemaligen Häftlinge, wie ein Aus?ug aus Andrèẽ Delpechs Rede zeigt:„Die- se Schändung trifft einen Ort, der kei- nen Schutz hat, außer den moralischen Schutz, den die Anwesenheit der Mil- lionen Besucher bietet, die jedes Jahr aus aller Welt hierher kommen, um der Vergangenheit zu gedenken und über die Zukunft nachzudenken.“
Entsprechend fällt auch Barbara Distels Resümee aus, nachdem immer noch gestritten werden muss, für die Uberzeugung, dass die Gedenkstät als Finrichtungen der politischen BN dung„der Erzichung nach Auschwitz“ unverzichtbar sind. Die„Zukunft der Brinnerung“ dürfe nicht allein der Po- litik überlassen werden:„Nur wenn es gelingt, einen erheblichen Teil der Offentlichkeit auf Dauer von ihrer Notwendigkeit zu überzeugen, wird sie sich als wichtiger Bestandteil der politischen Kultur etablieren.“
Hans Hirschmann


