Heft 
(2003) 1/2003. Juli 2003
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24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

300 Mann für ein Trümmerbeseiti- gungskommando zusammengestellt werden sollte und aus der Belegschaft der Arbeitskommandos Krematorium IV und Bunker V auszuwählen sei, für große Aufregung. Betroffen war kon- sequenterweise die Häftlingsgruppe, die nach der Einstellung der Verbren- nungen an Bunker V nicht weiter benõtigt wurde. Busch verlangte von den zuständigen Kapos, darunter auch der 28 jährige Eliezer Welbel, eine entsprechende Häftlings?usammen- stellung, was dazu führte, daß einfluß- reiche Häftlinge ihnen nahestehende Kameraden zu retten versuchten und die graue Masse der Hãftlinge in tiefe Verzweiflung und eine hilflose Ohn- macht verfiel. Da beschlossen wurde, hauptsächlich die für eine Revolte ver- wendbaren zuverlässigen Kräfte, also die erfahrenen und vertrauenswürdi- gen Häftlinge, von der Selektion aus- zunehmen, drohten einige der Todge- weihten, sich im letzten Augenblick mit allen Mitteln Zur Wehr zu setzten und forderten die Widerstandsführer dazu auf sich ihnen anzuschließen.

Der allgemeine Lagerwiderstand teilte den Anführern im Sonderkom- mando wiederum mit, daß in nur eini- gen Tagen der langersehnte Zeitpunkt zur großen Revolte gekommen sei und forderte sie auf, im Hinblick auf eine erfolgreiche Aktion völlige Gleichgül- tigkeit zu zeigen. Mit dieser taktischen Vorspiegelung falscher Iatsachen ver- Suchte die Internationale Widerstands- organisation auch noch die letꝰte große Gelegenheit des Sonderkommandos auf eine geschlossene Aktion?zu ver- hindern um den möglichen Schaden für das restliche Lager zu minimieren.

Fliezer Welbel(geb. 1916), Aufnahme Ki- lian 1998

In der falschen Uberzeugung, daß in einigen Tagen tatsächlich der allge- meine Häftlingsaufstand zu erwarten sei, trafen die Anführer eine nüchterne und pragmatische Entscheidung: Pa sie den Widerstand ihrer unglücklichen Kameraden nicht verhindern konnten, mußten sie die Selektion und der Folgen als ausweglose Situation hin- nehmen. aber sie wiesen alle in die kon- kreten allgemeinen Aufstandspläne Eingeweihten insgeheim an, sich nicht zu beteiligen. Als Hãftlinge die bereits fast Zwei Jahre im Sonderkommando uberlebt hatten und deren Uberlebens- strategie von ihrer Gettoerfahrung ge- prägt wurde, hatten sie den Lagerin- stinkt gewonnen, der für ein Uberleben bis zum letzten Augenblick durch wohlüberlegte Situationsanalysen und der Vermeidung waghalsiger Risiken