Heft 
(2002) 1/2002. Juni 2002
Einzelbild herunterladen

20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Wie hereits in einigen Ausgaben des Mitteilungsblattes berichtet hat die Lagerge- meinschaft· Freundes Kreis der Auschwitzer die Veròffentlichung der Pokumen- rutionsbücher vowohl über die Nansporte von Warschau als auch von Krakau nach Auschwitz fnaziell unterstiitzt Die Bände über diePolentransporte von Kralkcau nach Auschwitz vollen noch diesen Sommer publiziert werden.

Aus dem Buch der Erinnerung

Ubersetzt von Elzbieta Stamm

Frugmente einer Zeugenaussage von Frau Wanda Lurie, niedergeschrieben am 2. September Ia in einer Ambulanz des Polnischen Rotes Kreues in Podkowa

Lesna(Ortschaft in der Nãhe von Warschau die Uheys.).

Ich wohnte in Wola, Mialdowska- straße Nr. 18.(Stadtbezirk von War- schau die Ubers.). Am 1. August um 3 Uhr am Nachmittag begannen hier die erbitterten Kämpfe; die Situation war um so schwieriger, weil die hier zahl- reich wohnenden Volksdeutschen aus dem Versteck auf die Aufständischen Schossen.(..) Es kamen Deutsche, sie haben alle Männer auf die Straße ge- jagt, befahlen Barrikaden abzubauen und begannen, die Wohnungen in Brand zu stecken. Sie haben in die Woh- nungen Flaschen mit Benzin reinge- worfen, ohne die Einwohner zu warnen, S0 dass sie keine Chance hatten, recht- zeitig auf die Straße zu fliehen.

Bis zum 5. August war ich im Keller des Hauses Nr. 18 versteckt. An diesem Tag, etwa zwischen 11 und 12 Uhr wur- den alle aufgefordert, den Keller zu ver- lassen, wir wurden in die Wolskastaße getrieben. Es herrschte eine große Eile und Panik. Mein Mann war nicht da, er kehrte aus der Stadt nicht zurück. Ich blieb alleine mit drei Kindern 4, 6 und 12 Jahre alt, und ich war im letzten Mo- nat schwanger. Ich zõgerte in der Hoff- nung, dass die Deutschen mir erlauben, im Keller zu bleiben und verließ ihn als die Letzte. Alle Finwohner unseres

Hauses waren schon an der Fabrik Ur- sus an der Wolskastraße und Skiernie- wickastraße versammelt, ich sollte auch dorthin gehen; so ging ich ganz alleine mit meinen Kindern

Vom Hof der Fabrik aus hörte ich Schüsse, Schreie, Stöhnen, Flehen, wir hatten keinen Zweifel daran, dass dort Massenexekutionen stattfinden. Die am Eingang zum Hofgelände Stehenden wurden in 20 er Gruppen reingescho- ben. Ein 12jãhriger Junge wurde wahn- sinnig, als er geschen hat, wie seine E- tern und sein Bruder getõtet wurden, er begann zu schreien. rief seine toten E tern. Die Deutschen und Ukrainer schlugen ihn, als er versuchte, durch das Jor in den Hof᷑ zu kommen. Wir wussten also, was uns erwartet.

lch blieb die ganze Zeit möglichst hinten und hoffte, dass sie die schwan- geren Frauen nicht tõten. Ich wurde je- doch in der letzten Gruppe in den Hof reingefũhrt. Auf᷑ dem Fabrikgelände vah ich links und rechts mehrere Berge von Leichen, etwa 1 Meter hoch. Wir wur- den in den zweiten Hof geführt. Unsere Gruppe, etwa 20 Leute, bestand vor al- lem aus 10 bis 12 jährigen Kindern, es waren Kinder ohne EFltern, eine gelähmte alte Frau wurde die ganze