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(2002) 1/2002. Juni 2002
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12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Trutzhain-EFin Dorf mit besonderer Geschichte Vom Kriegsgefangenenlager Stalag IX A Ziegenhain

zur Flüchtlingssiedlung

Von Waltaud Burger, Gedenkstätte und Museum Trutzhain

Trutzhain, heute Stadtteil von Schwalmstadt, ist eine der jüngsten Ge- meinden Deutschlands. Trutzhain wur- de 1951 auf dem Gelãnde des ehemali- gen Kriegsgefangenenmannschafts- Stammlagers, dem Stalag IX A Ziegen- hain, gegründet. Die Struktur des ehe- maligen Kriegsgefangenenlagers, die zu 80 Prozent im alten Ortskern in wenig verãndertem Zustand erhalten ist, hat dazu geführt, dass das in Deutschland wohl einzigartige Ensemble von Fach- werkbaracken an der ehemaligen La- gerstraße 1985 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Die Stadt Schwalmstadt, unterstützt vom Land Hessen und dem Beauftrag- ten der Bundesregierung für Kultur und Medien, hat sich zur Aufgabe ge- macht, in einer ehemaligen Wachba- racke des Stalags die Geschichte des Ortes Trutzhain zu dokumentieren und damit an das vergangene Geschehen zu erinnern. Zur Zeit wird das Museum, das den Namen Gedenkstätte und Museum Trutzhain tragen wird nach wissenschaftlichen und pãdagogischen Gesichtspunkten gestaltet.

Die künftige Ausstellung basiert auf einer Privatsammlung, die die Eyffhäuserkameradschaft gemeinsam mit ehemaligen franzõsischen Kriegs- gefangenen zusammengetragen und der Stadt Schwalmstadt übereignet hat. Im Auftrag der Stadt Schwalm- stadt wurde diese Sammlung wissen- schaftlich dokumentiert. Umfangrei-

che Forschungen in Archiven des In- und Auslandes sowie Interviews mit chemaligen Kriegsgefangenen und Wehrmachtsangehörigen halfen, das Schicksal insbesondere der sowjeti- schen, polnischen und italienische Kriegsgefangenen zu erhellen. Dane- ben konnten wichtige Dokumente zur Stalagzeit, aber auch zu den spãteren Nutzungsphasen des Lagers, im In- und Ausland gefunden werden.

Liegt der Schwerpunkt der neuen Gedenkstätte bei der Dokumentation der Geschichte des Stalag IX A, 8so wird sie aber auch Ausblicke auf die Nach- kriegsgeschichte geben. Von 1945 bis 1947 nutzten die Amerikaner, die das Stalag in CI-camp 95 umbenannten, die Baracken zunächst zur Internierung von NSDAP-, SS und SAMitgliedern. Nach ihrer Entlassung oder Verlegung kamen etwa 2000 polnische Juden in das Lager, die nach den Pogromen im Polen des Jahres 1946 in die amerikani- sche Besat?ungszone geflüchet warer Nach ihrer Ausreise oder Verteilung auf andere DP-Lager im November 1947 quartierte der Kreis Ziegenhain Flüchtlinge aus den ehemaligen deut- schen Ostgebieten im Stalag ein. Ihr Schicksal und die von ihnen initiierte Gemeindegründung Trutzhains(1951) ist Thema eines weiteren Ausstellungs- kabinetts, in welchem Erinnerungs- stücke aus ihren alten Heimatländern, aber insbesondere aus der Trutzhainer Aufbauzeit, zu sehen sein werden.-Die