Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1
„Obrigkeitliche“ Gedenkstättenarbeit
Bayern will Finfluss der Dachauer und Flossenbürger Opferverbände,
der Gewerkschaften und der Gedenkstätten eingrenzen
Die innere Autonomie der Gedenk- stätten Dachau und Flossenbürg ist be droht. Die bayrische Regierung plant ein Landesgesetz, in dem den Opfer- verbãnden der ehemaligen KZHãftlin-
e sowie den fachlichen und wissen-
haftlichen Gremien der Gedenk- stätten nur noch Mitspracherecht ein- geräumt, aber die Beteiligung an Ent- scheidungsbefugnissen aberkannt wird. Stefanie Endlich vom Dachauer Fach- beirat sicht die Gefahr, dass durch das geplante Gesetz die Arbeit der Ge- denkstätten„einem direkten politi- schen Zugriff unterstellt wird“, wie sie der Münchner Abendzeitung(AZ) ge- genüber äußerte.
Der Entwurf aus dem bayrischen Kultusministerium sieht eine Landes- stiftung vor, mit der die Belange der Gedenkstätten Dachau und Flossen- bürg sowie der Dokumentationszen- tren auf dem Obersalzberg und dem früheren Reichsparteitagsgelände in
ürnberg als„Forschungsstätten und 68 auf eine dauerhafte Grund- lage“ gestellt werden. Dem Stiftungs- rat sollen jedoch weder Vertreter der Opferverbãnde noch der Gedenkstãt- ten angehören. Neben dem bayrischen Kultus und Finanzministerium sowie dem Bund, der beiden großen christ- lichen Kirchen und der israelitischen Kultusgemeinde sollen nur noch die Stadt Pachau und die Gemeinde Flos- senbürg diesem zentralen Gremium angehören, das künftig über Haushalt, Stellenpläne und alle anderen wichti-
gen Angelegenheiten der Gedenkstät- ten entscheiden soll.
Damit wird die„Deutungshoheit über authentische Orte der deutschen NS-Verbrechen mehrheitlich Mini- stern und Bürgermeistern“ übertra- gen, während die überlebenden Häft- linge, die„moralischen Pigentümer“ der KZGedenkstätten, und deren Nachfahren ausgesperrt werden, wie Michael Backmund in der AZ es auf den Punkt bringt.
Uber Versuche von Kommunalpo- litikern, die Arbeit der Gedenkstätten als„Nestbeschmutzung“ zu verun- glimpfen, gibt es ältere und jüngere Beispiele: 1955 forderte der damalige Dachauer Landrat den Abriss des Krematoriums, denn es müsse Schluss gemacht werden mit der„Diffamie- rung des Dachauer Landes“. Und im Januar 2002 ging der Dachauer Ober- bürgermeister Piller mit der Behaup- tung auf Stimmenfang, eine neue Aus- stellung in der Gedenkstätte wolle „eine Schuld der Dachauer am KZ konstruieren“. Der Münchener Histo- riker Jürgen Zarusky bewertete solche Aussagen als den Versuch,„Kommu- nalpolitisch verordnete Wunsch-Ge- schichtsbilder und Falsch-Informatio- nen“ zu etablieren.
Auch der Historiker Wolfgang Benz, Leiter des Berliner Zentrums zur Erforschung des Antisemitismus und Vorsitzender des Dachauer Fachbeira- tes, wandte sich gegen einen stärkeren Einfluss von Kommunalpolitikern auf


