Heft 
(2001) 2/2001. Dezember 2001
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31

hatten keine Gelegenheit, die nötig- sten persönlichen Sachen mitzuneh- men. Das Privateigentum wurde ge- raubt und massenweise in das Reich gebracht. Danach wurden die Häuser systematisch in die Luft gesprengt oder verbrannt. Die Aussiedlung der Zivil- bevõlkerung dauerte pausenlos bis zu den ersten Wochen Oktobers 1944. Das Schicksal der Warschauer Be- völkerung war von den dauernd un- Genusigen Befehlen der deutschen Besatzungsbehörden abhängig, die auch nach der Niederlage des War- schauer Aufstands keine einheitliche Meinung über das Schicksal der Stadt und ihrer Bewohner vertraten. Am tra- gischsten war die erste Woche des Auf- stands im Stadtteil Wola, wo die S8, Wehrmacht, ukrainische Nationalis- ten, die Russische Nationale Befrei- ungsarmee von Mieczyslaw Kaminski ab dem 3. August 1 944 systematisch die zivile Bevölkerung ermordete, insge- Samt etwa 20.000 in diesem Stadtteil. Später sollten die Menschen entspre- chend Sortiert, in die KZ oder zur Zwangsarbeit nach Deutschland ge- bracht werden. Für dieses Ziel wurde ein Durchgangslager(Dulag 121) in O kov(enwa 10 km von Warschau enufernt die Uherseterin) eingerichtet.

Auszug aus der Aussage von Frau Anna Pawelczynska über die illegale Anfertigung von Namenslisten durch die weiblichen Häftlinge der aus dem Durchgangsalger Pruszkow nach Auschwitz gebrachten Frauen.

Fine zweite bedeutende Aktion, an der ich teilnahm, war die Anfertigung der Namenslisten von Frauen und

Kindern, die nach dem Warschauer Aufstand nach Auschwitz gebracht wurden. Die Namenslisten wurden an- hand der aus der Schreibstube in Bir- kenau gestohlenen Materialien ange- fertigt. Auf den Listen standen in alphabetischer Reihenfolge die Na- men aller aus Warschau gebrachten Frauen und Kinder.

Die Liste, die das Museum besitzt, stellt keine komplette Abschrift dar, sondern vielleicht die Hälfte oder Dreiviertel aller Namen, die registriert wurden. Wegen verschiedener Schwie- rigkeiten konnten wir die Liste nicht vollständig abschreiben.

Die Originalliste wurden uns durch die polnischen Häftlinge, die in der Schreibstube beschäftigt waren, ange- liefert. Die Listen wurden uns für die Nacht überreicht, am Tag mussten sie wieder in der Schreibstube sein. Die Abschriften haben wir vor allem in der Paketstube überwiegend in der Nacht gemacht, teilweise aber auch im Block, in dem wir wohnten.

Um das Maximum an Sicherheits- bedingungen zu schaffen, haben wir an einer Stelle ziemlich viele Pakete auf- gestapelt und hatten auf diese Weise in dem hinteren Teil des Raumes eine geschützte Ecke. Dort fand unsere Aktion statt. Da im vorderen Teil des Raumes ständig eine SS-Frau anwe- send war, konnten nur eine, höchstens zwei Frauen die Liste abschreiben. An- dere, in die Aktion eingeweihte, Frauen paßten auf und gaben entsprechende Signale, wenn es gefährlich wurde.

Die Originaldokumente und ihre Abschriften waren so sortiert. dass sie jeden Moment in einen, für diesen Zweck bestimmten Sack mit einem