24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
Suche nach Tagebüchern und schriftlichen Zeugnissen, die von
Hãäftlingen in Konzentrationslagern geschrieben wurden.
„Die Sprache der Opfer“?
Dissertationsprojekt von Nicole Warmbold, TU Braunschweig
„Die Sprache der Opfer? ist der Arbeitstitel eines Projektes, zu dem Nicole Warmbold aus Braunschweig im Rahmen ihrer Doktorarbeit forscht. Hierzu sucht sie Tagebücher, die von Häftlingen in Konzentrationslagern geschrie- ben wurden. Sie würde sich freuen, wenn ihr Uberlebende der Lager oder Angehörige und Freunde von KZ-Häftlingen hierzu Materialien zur Verfü-
gung stellen würden.
Bei der geplanten Dissertation von Frau Warmbold handelt es sich um eine Sprachwissenschaftliche Arbeit. Die Autorin beschreibt diese wie folgt:
„Im Zentrum meiner Forschungen stehen Fragen nach den kommunikati- ven Bedingungen in verschiedenen Konzentrationslagern, nach der Bedeu- tung und den Funktionen, welche Sprache im Konzentrationslager für die Häftlinge einnahm, sowie den sprachlichen Reaktionen der Häftlinge auf ihre Lagersituation. Der Quellen- korpus zu dieser Arbeit besteht aus Hãäftlings-Tagebüchern und frühen Zeugnissen Uberlebender.
Ich möchte mit meiner Arbeit auf eine Forschungslücke innerhalb der germanistischen Sprachwissenschaft aufmerksam machen. Die fast unzähli- gen sprachgeschichtlichen Arbeiten, die den Zeitraum von 1933 bis 1945 zum Gegenstand haben, befassen sich bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich mit der Sprache der Täter. Finmal mehr bleiben die Ausgegrenzten und Verfolgten, die Opfer in den Konzen- trations- und Vernichtungslagern so- wie die Widerstandskämpferinnen und kämpfer unsichtbar, achtlos aus der Geschichte gestrichen und ohne Aner- kennung und Würdigung.
Auf diese Situation, die in der Ge- schichtswissenschaft inzwischen kaum mehr denkbar ist, möchte ich hinwei- sen und sie beenden helfen. Gleichzei-
tig möchte ich mit der Auswahl der Quellen eine ebenfalls häufig unbeach- tete Leistung vieler Opfer in den Kon- Zentrationslagern würdigen: Das Schreiben von Tagebüchern noch in den Konzentrationslagern und die Be- richte Uberlebender verdienen mehr Aufmerksamkeit als ihnen bisher zuteil wurde. Sie zeugen von einem bewun- dernswerten Willen, den Nachgebore- nen und spãteren Generationen von ih- rem Leiden, ihrem Erleben und ihrem Widerstehen zu erzählen, und diese Hãäftlinge nahmen dafür nicht selten- schrieben sie noch in den Lagern- die Gefährdung ihres Lebens in Kauf. Leg- ten sie das Erfahrene und Erlebte nach der Befreiung schriftlich nieder, be- deutete dies zumeist das erneute Durchleben vergangenen Leidens.
Ich bin mir bewußt, daß diese Zeug- nisse nationalsozialistischer Verbre- chen sehr privater Natur sind und ver- sichere, im Bewußtsein dieser Proble- matik mit diesen umzugehen und sie nur im Interesse ihrer Verfasserinnen und Verfasser zu verwenden. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfü-
gung.“
Für solche Nachfragen sowie die Zu- sendung von Materialien ist die Auto- rin unter folgender Adresse zu errei- chen: Nicole Warmbold
Kalandstraße 7 38118 Brauchschweig


