Heft 
(1999) 1/1999. August 1999
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 3

Treffen der Uberlebenden von IG Auschwitz

Auf Anregung des ehemaligen Auschwitz-Häftlings Siegmund Freund organi- sierte das Fritz-Bauer-Institut voriges Jahr(vom 20. bis 22. Oktober 1998) ein Treffen der Uberlebenden von I6 Auschwitz. Ort dieser Tagung war ausgerech- net das I6 Farben-Haus in Frankfurt am Main, also die damalige Zentrale des Konzerns, der die Machthaber des Dritten Reiches veranlasste, in Auschwit?z- Monowit? von Hãäftlingen eine Produktionstätte für Buna zu bauen. Zu dem Treffen kamen 90 Uberlebende nach Frankfurt angereist, viele sahen sich nach der Befreiung erstmals hier wieder von Angesicht zu Angesicht. Sie überwanden ihre Bedenken und Befürchtungen und betraten erstmals wieder deutschen

oden. Bei der offiziellen Eröffnungsveranstaltung hielt der I6 Auschwitz- Häftling Imo Moszkowicz eine bewegende Ansprache, die wir im folgenden dokumentieren.

Imo Mos?zkowicz: Rede zum Treffen der ehemaligen Buna-Häftlinge

Die Schwierigkeit überlebt zu haben

Die Wiederbegegnung mit Euch zwingt Brinnerungen auf, die ich längst tief vergraben glaubte. In Eure Augen sehend, versuche ich nach über einem halben Jahrhundert Eure jetzi- gen Umrisse in jene zu transferieren, die ihr damals im gestreiften Drillich gewesen wart. Es will nicht in jedem Falle gelingen, denn die wiedergewon- nene Freiheit und der Gang der Zeit haben uns alle merklich verändert.

Das Glück, das ich in diesem Mo- ment empfinde, Euch hier so wohl, so

naaig betagt, wiederzutreffen, obwohl uns doch ein früher Tod verordnet

Imo Moszkowicz

worden war, macht mir, der ich einer der Jüngsten in Buna war, mit um so mehr Schaudern deutlich, in welch un- menschlichem Zustand wir damals im Lager der IG-Farben als Opfer einer monströsen Vernichtungsmaschinerie gchalten wurden, wo elektrischer Sta- cheldraht alle moralischen Wert unse- rer Welt gegenstandslos machte.

Als Bunahäftlinge alterten wir vor der Zeit, einer Jugend beraubt, die wir noch gar nicht gewonnen hatten, weil die IG-Farben dringlichst Arbeiter für

ein Werk brauchte, das dem Hitler hel- fen sollte, seine Siege zu stabilisieren, deren wichtigstes die Vernichtung von uns Juden war. Und man nutzte uns, solange unsere körperliche Kraft reich- te, liess aber diejenigen unter uns, die den Strapazen seelischer und körperli- cher Art nicht mehr gewachsen waren, in die Gaskammern abführen, weil sie für diesen kriegerischen Zweck nicht mehr taugten.

Ohne Beachtung der Menschenwür- de, ohne jegliche moralische Hemmung