Heft 
(1998) 2/1998. September 1998
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12 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer

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In Auschwitz ermordet: Inge Sophie Hahn(links) mit Mutter Henriette und

der jüngeren Schwester Monika.

Das'Standesamt' Auschwitz ver- zeichnet ihren Tod am 29. August 1942, wie eine aufgrund der in Au- Schwitz erhalten gebliebenen Unter- lagen vom Sonderstandesamt Arol- sen ausgestellte Sterbeurkunde be- legt. Auch diese Information ist zum Zeitpunkt des Anschreibens der Dresdner Bank dem RSHA bekannt, da das'Stan-desamt' Auschwitz, zur dortigen»Politischen Abteilung' gehörend, Zahl und Namen der Er- mordeten nach Berlin meldete, sie hätte durchaus in einem Feststel- lungsentscheid enthalten sein kön- nen(vgl. hierzu: R. Kagan: in Adler u. a.: Auschwitz, Zeugnisse u. Berich- te, Köln/Frankfurt 1962).

Man mag einwenden, daß es un- wahrscheinlich ist, daß die Sterbeur- kunden des'Standesamtes' Ausch- wit? seinerzeit öffentlich bekannt geworden seien. Dieser Einwand ist

jedoch nicht stichhaltig, wurden doch die'Heimatstandesämter' der Ermordeten von deren Tod in Kenntnis gesetzt(vgl. Kagan, S. 154). Und es gab dort wiederum Standes- beamte, die sich über die große Zahl von Sterbefällen in diesem Ort Auschwitz' wunderten(die Urkun- den wurden, wie üblich, fortlaufend numeriert). Kagan berichtet von zwei diesbezüglichen schriftlichen Anfragen von Standesämtern in Thüringen und Oldenburg an das 'Standesamt' in Auschwitz. Es be- steht also durchaus die Möglichkeit, daß das Wissen der Banken größer war, als bisher angenommen. Was bleibt, ist die Archive der deutschen Banken dahingehend zu untersu- chen, welche direkten oder indirek- ten Hinweise auf das Schicksal der Deportierten diese'Feststellungsent- scheide' haben vermitteln können: Konnten sie also wissen, was lief?