M
Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1
Presseerklärung anläßlich der I6 Farben Aktionärsversammlung am 22. Dezember 1997 in Frankfurt am Main
Die I6 Farben Sinnbild einer Nazi-Aktiengesellschaft“
So wie Auschwitz zum Sinnbild des von Nazi-Peutschland betriebenen indu- striellen Völkermordes geworden ist, so ist die I6 Farben das Sinnbild einer Nazi-Aktiengesellschaft“. Die 1925 durch Zusammenschluß mehrerer Firmen entstandene'Interessengemeinschaft Farbenindustrie“- abgekürzt I6 Farben
war vor 1945 nicht nur Deutschlands größter Chemiekonzern, sondern über- haupt das größte deutsche Privatunternehmen. Die I6 war der größte Einzel- Finanzier der NSDAP. Die Anklagepunkte im Nürnberger Kriegsverbrecher- Prozeß(1947) lauteten u.a. auf Unterstützung zur Vorbereitung und Durch- führung eines Angriffskrieges, auf Sklaverei, Raub und Plünderung.
Mindestens 45.000 Menschen- zumeist KZHäftlinge hat die I6 Farben als unentlohnte Zwangsarbeiter und—arbeiterinnen im Deutschen Reich ausge- nutzt. Allein rund 27.000 Häftlinge starben entweder am Arbeitsplatz oder nach der Rücküberstellung ins KZ bei der Errichtung einer riesigen Chemiefa- brik in Monowitz, dem fünf Kilometer von Auschwitz errichteten sogenannten I6 Farben Lager(Auschwitz III). Der Konzern leistete damit einen wesentli- chen Beitrag zur Strategie»Vernichtung durch Arbeit“. Zudem lieferte eine Tochtergesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung (Degesch), das Giftgas Zyklon B, das zur Massenvernichtung von Menschen eingesetzt wurde.
Nach dem Kriegsverbrecherurteil von 1948 hätte die I6 Farben bis 1953 aufgelöst werden müssen. Als I6 Farben i. A.(in Auflösung) existiert sie aller- dings heute noch und bringt ihren Aktionären Spekulationsgewinne. Laut „tages?eitung“(taz) verwaltet die I6 Farben i. A. ein sog. Abwicklungskapital
O% 28 Millionen Mark und wies 1995 einen Uberschuß von 278.000 Mark aus. ährend mit den*Blutaktien“ der Mordgesellschaft' weiterhin Profite er- zielt werden, gehen die Opfer leer aus. Weder I6 Farben noch die Nachfolgebe- triebe BASF, Bayer und Hoechst fühlten sich für Entschädigung der ehemali- gen Zwangsarbeiter zuständig.
Gestern wie heute: Ethische Verhärtung'
Der Historiker Peter Hayes kommt in seiner Charakterisierung der I6 Farben-Manager zu dem Schluß:'Sie waren pragmatische Männer, die sich vor allem mit den unmittelbaren Herausforderungen der Technik und der Produk- tion befaßten und zunehmend bereit waren, das Notwendige zu tun, um ihre eigenen Ziele und die ihres Unternehmens durchzusetzen. Sie verkörperten somit die'ethische Verhärtung', die fürs Dritte Reich und für große Organisa- tionen im allgemeinen so charakteristisch ist.“—


