Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7
Geschichten über Das Leben mit Auschwitz des Stanislaw Hantz“
„Litronen aus Kanada'?
Karin Graf lernte den ehemaligen Auschwitz-Häftling Stanislaw(Staszek) Hantz vor etwas mehr als fünf Jahren kennen. Sie war danach mit ihm mehrfach in Auschwitz. Aber nicht nur dort, sondern auch in Großrosen, in Hersbruck, Nürnberg, Ingolstadt und Dachau, den Stationen seines Todesmarsches, den er als einer von wenigen Häftlingen überlebte. In Dachau wurde er von der USArmee
befreit.
5 Im Lauf der jahrelangen Bekannt- schaft von Karin Graf und Staszek Hantz wurden bei mehrtägigen Füh- rungen' durch das Stammlager und durch Birkenau Video- und Tonband- aufzeichnungen aufgenommen, Inter- views aufgezeichnet, Notizen von Ge- sprächen und Diskussion angefertigt. Aus diesem Material hat Karin Graf kurze Geschichten geschrieben. Diese Geschichten beinhalten zwei Ebenen. Eine Ebene ist das Geschehen in Au- schwit?z und die Frinnerung Staszeks dazu. Die andere Ebene ist, wie haben sich diese Erfahrungen in den vergan- genen fünfzig Jahren auf ihn ausge- wirkt, wie lebte und lebt er damit, wie— viel Auschwitz schleppt er heute noch mit sich herum?
Die Texte haben oft eine konkrete S?zene in Auschwitz zum Ausgangs- unkt. Dort wo es geboten schien, zi- tiert Karin Graf die Erinnerungen Staszeks direkt, in deutsch, mit seiner gebrochenen Lagersprache“, die auch sonst die Verständigungsgrundlage war. Die Rolle der Autorin beschränkt sich auf die der Fragerin und auf die, die seine Erzählungen zusammenfaßt, die ihn beim Erzählen beobachtet und kommentiert- das alles floß in die Ge— schichten mit ein. Der Gesamttext hat keine einheitliche literarische Form: es gibt romanhafte Passagen, Kommenta- re und immer wieder Dialoge.
Die Texte legen keinen gesteigerten Wert auf Objektivität, im Vordergrund
steht stets das subjektive Erleben, mit seinen Lücken, Deutungen und wech- selnden Wahrheiten, macht die Autorin in einem Exposé deutlich. Es handelt sich durchgehend um assoziative Texte, das heißt, es wird nur in sehr geringem Maße ein zeitlicher Ablauf eingehal- ten, die Geschichten hangeln sich an anderen Schwerpunkten durch die La— ger- und Haftzeit, wie zum Beispiel Es- sen, Freunde, Hierarchie, Funktionäre, Strafen und so weiter. Dieses Verfahren entstand auch durch Staszeks Erzähl- weise, der beispielsweise über sein er- sters Paar Schuhe im Lager spricht, sich dann erinnert, welche Schuhe er noch wann und wie und unter welchen Bedingungen bekommen hat. Diese verknüpfende Erzählweise hat Karin Graf bevorzugt weitergeführt, weil sie ihres Erachtens am besten wiedergibt, wie Erinnerung funktioniert.
Sehr großen Wert wurde auf die sub- jektiven Folgen der KZHaft und der erlittenen Strapazen auf den Todes- märschen gelegt. Dieses Anliegen ließ sich vor allem durch die jahrelange Bekanntschaft qualitativ und quantita- tiv gut umsetzen. Dabei haben auch Regina, Staszeks Fhefrau, und seine Töchter Wanda und Kristina mitge- wirkt, deren Fommentare und Gedan- ken an einigen Stellen einfließen. Eine Rolle spielen auch die Diskussionen in Kreisen der ehemaligen Häftlinge und Stas?zeks Kontakte zu ihnen. Schwer- punkt aller Geschichten sind die Spu—


