30 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Wiederentdeckte Spuren jüdischen Lebens Morit? Daniel Oppenheims Zyklus»Bilder aus dem altjüdischen
Familienleben“ H
von Klaus Konrad-Tromsdorf
Die Zeit verwischt manche Spuren des Holocaust, manche hingegen legt sie- wie es scheinen will- zufällig frei. Hätte Monica Kingreen eine der Autorin- nen des hier rezensierten Buches- nicht vor geraumer Zeit die Geschichte des von den Nationalsozialisten vernichteten hessischen Landjudentums recher- chiert(Vgl. Kingreen, M.: Jüdisches Landleben in Windecken, Ostheim und Heldenbergen, Hanau 1994), wäre sie wohl kaum auf Reklamemarken für eine kKoschere Margarine gestoßen, auf denen Motive des Oppenheimerschen Bil-
derzyklus abgebildet waren.
Der Hanauer GCoCon Verlag, der be- reits Kingreens damalige Recherche publizierte, hat sich nun der Aufgabe gewidmet, die Brinnerung an Morit?z Daniel Oppenheim neu?u begründen und wachzuhalten.
Da es nun aber der nationalsoziali- stische Massenmord an den Juden war, in dessen Folge die Erinnerung an den zu seiner Zeit bekannten jüdi- schen Maler zerstört wurde: Nach— kKommen wurden vertrieben, das Künstlerische Werk zu einem FTeil be- schlagnahmt, zu einem anderen ver- steigert, kann dieses Buch keine bloße Retrospektive im Sinne einer Werkschau' sein. Und in der Tat ist es dies auch nicht: Zwar sind die Schwerpunkte, die das Autorenteam setzt eindeutig: Biographie des Ma- lers, Zusammenschau seines Werkes und der bereits erwähnte'Zyklus', eingebettet sind diese Schwerpunkte jedoch in einer Reihe von Beschrei- bungen, die die von den Nazis zer- störte jüdische Kultur und Identität zum Thema haben. Mit großer Detail- kenntnis gelingt es Monica Kingreen, den Bogen von der Hanauer Juden- gasse hier wurde Moritz Paniel Op- penheim im Jahr 1800 geboren, hier verbrachte er Kindheit und Jugend, bis hin zum Diebstahl von Bildern des
1000 in Frankfurt gestorbenen Malers durch die Nazis im Jahre 1943 zu spannen.
Die zwanzig Bilder des'Zyklus', die allesamt eine'idealisierte Welt des Lebens im Ghetto' widerspiegeln, in- sofern auf Lebenserinnerungen des Künstlers gründen, werden von Frank Fisermann sehr ausführlich beschrie- ben. Mit insgesamt elf Bildern sind Motive aus dem Bereich der jüdischen Religion vertreten: Sabbat und wich— tige jüdische Feiertage. Sie bieten ei- nen eindrucksvollen Blick auf die Si- tuation der Juden zu Beginn des 19. Jahrhunderts, deuten darüberhinaus aber auch GE.B. Die Rückkehr des Freiwilligen') den langen Weg?ur rechtlichen Gleichstellung mit all sei- nen Brüchen und Verwerfungen an.
Michael A. Meyer, Professor für jü- dische Geschichte in Eincinatti und Internationaler Präsident des Leo Ba- eck Instituts hat in einem kürzlich er- Schienenen Aufsatz(ders. in Deutsch- Jüdische Geschichte in der Neuzeit. Bd. II. München 1996) darauf hinge- wiesen, wie sehr Oppenheim gerade in diesem Bild zwei'fromme Gefüh- le' welche die meisten deutschen Ju- den emfanden, zeige: Phrerbietung gegenüber der Familie und Patriotis- mus gegenüber dem Vaterland. Meyer


