Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer
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Jugendliche bitten nach Studienfahrt um Spenden für Projekt
des Frit? Bauer Instituts B
von Klaus Konrad-Tromsdorf
Photoprojekt' Auschwitz-Birkenau
Am 10. November überreichte der hauptamtliche Beigeordnete des Landkrei- ses Gießen, Günter Feußner, in seiner Funktion als Schul- und Sozialdezer- nent, den einundachtzig Mitgliedern des Kreistages eine Photodokumentation Zum Thema Auschwitz'. Dies geschah nicht zufällig nach dem Jahrestag der Reichspogromnacht. Verbunden ist diese Aktion, die sich auch an die interes- sierte Offentlichkeit wendet, mit der Bitte um eine Spende für ein ungewöhnli- ches wenngleich auch schon lange überfälliges-Projekt.
Der Landkreis Gießen hat- wohl im Unterschied zur Mehrheit der Kreise in Hessen—seit 1988 eine lange und gute Tradition was das Angebot an Jugendliche anlangt, sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Seit 1989 kön- nen junge Menschen(Schülerinnen und Schüler, junge Arbeitnehmerin- nen und Arbeitnehmer) Seminare in den Gedenkstätten Auschwit? und Buchenwald unternehmen. Seit 1994 veranstalten die Teilnehmerlnnen die- ser Seminare alljährlich einen soge- nannten Jugendkongreß' anläßlich des Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers in Auschwitz: Das Interesse hieran ist groß und nimmt erfreulicherweise zu. Das kreiseigene Jugendbildungswerk und die Piet- rich-Bonhoeffer-Schule in Lich arbei- len seit Beginn erfolgreich zusammen. Mehr als zweihundert Jugendliche haben bislang an dieser Arbeit teilge- nommen: Ganz sicher auch ein Grund dafür, daß der Landkreis— obgleich von Schulden geplagt- die Finanzie- rung dieser Maßnahmen, die ihn im Jahr mehr als fünfzehntausend Mark Kosten, nicht in Frage stellt. Die da- mals extra eingerichtete Haushalts- stelle wurde in den Finanzdebatten nie kontrovers diskutiert. Seit Beginn des Jahres 1997 existiert im Landkreis
die Ernst-Ludwig Chambré Stiftung' (das Mitteilungsblatt berichtete), die die erwähnte Arbeit personell und fi— nanziell unterstützt, ein weiteres Ar- gument für den Landkreis, sein lo— benswertes Engagement beizubehal- ten.
Auch 1997 war eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern zehn Tage lang in der Jugendbegegnungsstätte Oswiecim. Fine lange und intensive Vorbereitungsphase hatte unter ande- rem auch das Ergebnis, daß sich die Teilnehmenden dafür entschieden, eine Photo- und Textdokumentation über ihren Aufenthalt anzufertigen. Bereits in den vergangenen Jahren waren die Teilnehmerinnen und Teil- nehmer der Gedenkstättenseminare mit ihren Erfahrungen'an die Of- fentlichkeit' gegangen: Gelesenes, Ge-
sehenes, Erlebtes darf nicht unge- nannt bleiben. Photoausstellungen,
Broschüren, Videofilme waren die Er- gebnisse- produziert vor allem für Gleichaltrige und von diesen mit In- teresse aufgenommen.
Dennoch war für die Gruppe dies nicht das einzige Ziel: Während ihres Aufenthaltes in Oswiecim erfuhren die Jugendlichen deutlich, daß es der Gedenkstätte vor allem an finanziel- len Mitteln fehlt, um neue Projekte anzugehen: Schon das Brhalten des


