Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 5
Der größte Nazi-Trust ist immer noch nicht abgewickelt
I6 Farben i. A.- und kein Ende 2
von Diethardt Stamm
Der Protest gegen die immer noch nicht abgewickelte 16 Farben der größte Trust Nazideutschlands- hat in diesem Jahr erstmals zu einer Absage des ursprünglichen Termins der Hauptversammlung geführt. Sie sollte eigentlich am 22. August im Arabella Congreß Hotel in Frankfurt stattfinden. Das Hotel zog jedoch aufgrund der Proteste den Mietvertrag für die Tagungsräume
rück. Die Versammlung soll nun am 22. Dezember im Bürogebäude in der Wächtersbacher Straße 83 in Frankfurt/ Main stattfinden. Wir rufen auch hier auf, sich an Protestveranstaltungen zu beteiligen. Bitte Tagespresse
beobachten.)
Mehr als tausend'menschliche Meerschweinchen''— an denen im K?Z Fleck und Gelbfieber. Ruhr und Gasbrand von einer I6 Farben-Toch- ter, den angeblich renommierten Beh- ringwerken, erprobt wurden— sind erst jetzt beim Abschlußprogramm zur Austellung Verbrechen der Wehrmacht' in Marburg'entdeckt? worden. Ernst Klee, Spezialist für NS— Medizin, hat entsprechendes recher- chiert, und der Leiter des Firmenar- chivs der Hoechst A6, Wolfgang Met- ternich, hat es kommentiert:'Stimmt. dem ist nichts hinzuzufügen.“
Nachzulesen war es in der Frank- Orer Rundschau vom 22. November 1907. Und dies ist nur eine Seite der offenkundig unendlichen Geschichte 16 Farben“: Nicht enden wollende Verbrechensketten bei der Auswer- tung von erst in den letzten Jahren zugänglichen Dokumenten. Und wie s0 oft: Verbrecher im Dritten Reich erhielten Persilscheine in den Nürn- berger Kriegsverbrecherprozessen oder wenn es im Ausnahmefall zu Wiederaufnahmeverfahren gekom- men ist, wurden diese eingestellt. Und solchen Verbrechern kommt oft bis heute jegliche Ehre zuteil.
Ein Beispiel: Der Produktionsleiter der I6 Farbentocher Behring in Mar- burg war zu den Zeiten, als es um menschliche Versuchstiere ging. Al- bert Demnitz, und Betriebsleiter war Richard Bieling. Von Demnitz wurde jetzt ein umfangreicher Schriftver- kehr mit dem KZLagerarzt entdeckt. Danach wurden Häftlinge künstlich mit Fleckfieber infiziert und mit Impfstoffen getestet. Der Aufseher der KZVersuchsabteilung schilderte die Folgen: Die Patienten erbrachen zehn- bis zwölfmal täglich... Es war nur möglich, Versuche mit einem der- art schlecht verträglichen Präparat in einem KZ zu machen, da dort die Menschen nicht gefragt wurden.“
Der I6 Farben-Vorstand und die Verantwortlichen der Töchterfirmen wurden im Nürnberger Kriegsverbre- cherprozeß frei gesprochen. Fin späteres Verfahren gegen Demnitz und Bieling wurde 1961 eingestellt. Begründung: Es habe nicht festge- stellt werden können', daß sie Kennt- nis hatten, daß die Impfstoffe für verbrecherische Menschenversuche verwendet wurden.
So ist auch nicht überraschend, daß Bieling 1951 Professor in Wien werden


