Heft 
(1997) 1/1997. September 1997
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Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 7

Siemens will ehemalige Zwangsarbeiter nicht entschädigen

Infame Rechtfertigungsstrategie

Am 12. Oktober findet im Berliner Kongreßzentrum ICC der offizielle Fest- akt statt, mit dem der Siemens-Konzern sein 150 jähriges Bestehen feiert. Das Firmenjubiläum ist allerdings'nicht der Anlaß für eine Auseinandersetzung mit der Rolle des Hauses während der Zeit zwischen 1933 bis 1945 und- darin eingeschlossen- dem Themenkomplex Zwangsarbeit, schrieb Prof. Dr. Wil- fried Feldenkirchen an den Vorsitzenden des Vereins'Gegen das Vergessen Für Demokratie, Hans-Jochen Vogel. Prof. Feldenkirchen ist Leiter der Abteilung'Unternehmenskommunikation und antwortete für den Siemens- Vorstands vorsit?enden Heinrich von Pierer, den Vogel in einem Brief auf die vielen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter insbesondere die KZHäft- linge angesprochen hatte, die im DPritten Reich in den Siemensbetrieben'unter härtesten Bedingungen arbeiten mußten. Der Konzern möge'den wenigen noch überlebenden Opfern jener Zeit aus Anlaß des Jubiläums eine Entschädi- gung zukommen zu lassen', es könne dabei'nicht allein um eine juristische Bewertung gehen, ausschlaggebend sollten'ethische Kategorien und Maßstä- be der menschlichen Mitverantwortung' sein, hatte Vogel argumentiert.

Die Legende vom Zwang, Zwangsarbeiter beschäftigen zu müssen

Die Wortwahl in Feldenkirchens Antwortschreiben ist entlarvend. Die zum Firmenjubiläum erscheinenden Publikationen würden sich'natür- lich'''sowohl mit den Höhepunkten als auch mit den Tiefpunkten der Sie- mensgeschichte' beschäftigen, be- gann er. Zu den Tiefpunkten gehöre auch'die Zeit des Nationalsozialis- mus mit allen ihren Konsequenzen. Siemens hat, nach Feldenkirchens Sichtweise,'wie auch viele Großun- ternehmen- im Rahmen der national- Soxialistischen Kriegswirtschaft an der seit 1933 einsetzenden Auftragser- teilung durch öffentliche Stellen par- tizipiert und während des Zweiten Weltkrieges- wie viele Kommunen und gemeinwirtschaftliche Betriebe Zwangsarbeiterinnen und Zwangsar- beiter beschäftigen müssen.(Dieser Darstellung nach waren es also Be- treibe wie Siemens, die unter Zwang standen und nicht in erster Linie die

Zwangsarbeiter.)'Wir bedauern das den betroffenen Pesonen zugefügte Unrecht zutiefst, vergißt der Leiter

Unternehmenskommunikation nicht anstandshalber zu beteuern. Feldenkirchen verweist auf die

nicht ganz 7,2 Millionen Mark'Wie- dergutmachungsleistungen in mate- rieller Form', die Siemens in den sechziger Jahren'freiwillig und ohne rechtliche Verpflichtung oder ger- ichtliche Urteile' nach Verhandlun- gen mit der Jewish Claims-Confe- rence gezahlt hat. Zudem habe Sie- mens auch in Einzelfällen Hilfe ge- leistet-'soweit dies aus humanitä- ren Gründen geboten schien?.

Infame Argumentation

Abschließend wird der Siemens- Kommunikator besonders infam. Er greift die berechtigte Kritik an dem zwiespältigen Begriff'Wiedergutma- chung' auf, indem er schreibt, daß eine Wiedergutmachung' weder ju ristisch noch durch finanzielle Ent- schädigung möglich ist. Wogel selbst