Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1
Jugendliche gestalten eine Seite des Gießener Anzeigers
Eine Schreibwerkstatt als Gedenkarbeit
von Sascha Feuchert
Beschäftigt man sich zusammen mit Jugendlichen mit dem Thema Holocaust', gehört es'zu den pã- dagogischen Aufgaben“, wie Matthi- as Heyl formuliert,'identifikatori-
Lernen zu ermöglichen, aber
uch Identifikationen wieder zu durchbrechen“(1). Bei Gedenkstät- tenseminaren, die sich vor Ort bege- ben, scheint die Abfolge der beiden angezeigten Vorgänge klar: Identifi- kationen stellen sich schnell wäh- rend der Besuche in den ehemaligen KZs ein, die Durchbrechung bleibt oft dem Nachher, der Nachberei- tung vorbehalten. FEine Möglichkeit, Jugendlichen dafür Hilfestellungen zu geben, sind Schreibwerkstätten. Diese können es ihnen ermöglichen, eine eigene Position zum Thema, vor allem aber zum Prlebten zu erarbei- ten und darzustellen. Die Schreib- produkte am Ende sind dann im be- Sten Falle(erste) Zeugnisse einer Bewältigung im positiven Sinne: Sie
* mitgeteilte, mithin gestaltete
und durchdachte Erlebnisse. Im Ganzen können Schreibwerkstätten somit einer'unheimlichen Betrof- fenheit', die doch oftmals nur eine heimliche Unbetroffenheit' ist, wie Hermann Gremliza es formuliert
(2), entgegenwirken. Allerdings gilt es bei der Konzipierung eines sol- chen Projektes einiges zu beachten; ich will dies im folgenden an einem Beispiel verdeutlichen. Schreibwerkstätten sind immer zielorientiert konzipiert, d.h. kon- kret: Es wird grundsätzlich auf eine Publikationsform hingearbeitet(3). Oftmals sind es Wandzeitungen oder ganze Bücher, die von Jugend- gruppen zu den unterschiedlichsten Themen gestaltet werden. Für Ge- denkstättenseminare bieten sich journalistisch angelegte Seminare an, die in Absprache mit einer (aufgeschlossenen!) Zeitung gestal- tet werden sollten. Die Vorteile einer Solchen Partnerschaft für die Werkstattsteilnehmer sind evident: Die Ergebnisse der Arbeit werden einer breiten Offentlichkeit präsen- tiert, die im Idealfall in Form von Briefen, Gesprächen o. à. reagiert und so den Prozeß der Verarbeitung weiter vorantreibt. Abgesehen da- von erhalten auch die Leser die Möglichkeit, aufgrund der subjekti- ven Berichte eigene Denkmuster zu überprüfen. Je nach dem, wie die Schreibprodukte gelingen, wie sie ankommen und was sie möglicher-
J) Abram, Ido und Matthias Heyl. Thema Holocaust. EFin Buch für die Schule.
Reinbek. rororo, 1996.§. 726. 2) zitiert nach Abram/Meyl.§. J37.
3) zur grundsdtzlichen Konzeption von Schreibwerkstätten vgl. auch Meyer, Marianne, Patrick Büttner und Sascha Feuchert.*Wir sind gur nicht so doof“⸗ Schreibwerkstdtten inder Hauptschule. In: Praxis Deutsch 734/ 995. S. 7073.


