Heft 
(1996) 1/1996. März 1996
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Geburtstagsfeier von Hermanns 75. in Laubach

mer schneller, nie müde, trieb uns an. Später erst wurde mir klar, daß dort sein Zuhause war. Auf diversen LKWTransporten nach Auschwitz, Warschau, Krakow wollte er nie pausieren, immer wollte er weiter, weiter. Spã- ter erst wurde mir klar, es ist seine Art zu ge- hen- mit unseren Beinen es ist seine Art zu handeln- mit unseren Händen.

Ich war immer begierig, von ihm zu hören, nie konnte ich davon genug bekommen; wie oft war ich in seinem Haus, hoffte, daß er sich mir einmal offenbarte, vergeblich, dachte ich. Heute weiß ich, wissen wir, daß sein ganzes Leben nach Auschwitz eine Offenbarung war, er lebte die Auseinandersetzung mit anderen.

Hermann, ich war mit dir 1979 oder 80 auf einem Mitgliedergespräch der Aktion Sühne- zeichen/Friedensdienste in Hannover. Wir waren mit ca. 30 anderen Teilnehmern in der Jugendherberge der Stadt untergebracht, nach der Sitzung in einer nahen Kirchenge- meinde mußten wir zurück in die Jugendher-

berge, weil diese um 22 Uhr geschlossen werden sollte. Nun waren wir dort, mit all den an- deren Gleichgesinnten, noch voll mit dem Inhalt der Ge- spräche des Abends zum The- ma Aussöhnung mit Polen und wollten noch miteinander re- den, was nicht ging, da alle an- deren Räume, außer unseren Zimmern, auch abgeschlossen waren, Nachzügler konnten nicht mehr ins Haus, sie stand- en draußen vor der Fingangs- tür. Wir machten uns bemerk- bar, die Herbergseltern kamen die Treppe herunter, sichtlich bõse und gereizt und sagten, daß nicht aufgeschlossen wer- den würde, weder zum Herein- noch zum Herausgehen, wir jetzt in die Betten zu gehen hätten, die anderen draußen ja wohl selbst Schuld wären, wenn sie jetzt da draußen- ren und damit basta.

Im allgemeinden Tumult, auf die Reaktion der Her- bergselterm, da ging deine Aussage fast unter, doch wir haben sie alle, wie wir da wa- ren, gehört. Das ist ja wie Lager, ich war in Auschwitz auch eingesperrt. Man hãätte eine Stecknadel auf den Boden fallen hören können. In diese betroffene Stille hinein platz- te die Aussage des Leiters der Jugendherberge, daß, wenn Hermann in Auschwitz gewe- sen war, es ja wohl einen Grund gegeben hätte, daß er da war und er deshalb zu Recht dort gewesen wäre. Nun hätte man zehn Stecknadeln nacheinander auf den Boden