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(1996) 1/1996. März 1996
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4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Landrat würdigte Hermann Reineck alsengagierten Aufklärer Wetteraukreis velor eine bedeutende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens'

Als'engagierten Aufklärer gegen das Vergessen' würdigte Landrat Roff Gnadl in einer Erklärung des Wetterauer Pressedienstes unseren verstorbe-

nen Präsidenten Hermann Reineck.

Mit Hermann Reineck verliert der Wetteraukreis eine bedeutende Persön- lichkeit des öffentlichen Lebens, der vielen jungen Menschen den Schrecken des Holocaust auf eindringliche und authentische Weise nähergebracht hat', so der Landrat, der selbst vor ei- nigen Jahren bei einer Studienreise mit dem ehemaligen KZ-Hãftling die heu- tige Gedenkstätte in Auschwitz be- sucht hat.

In beispielhafter Weise habe Her- mann Reineck jungen Menschen aus der Wetterau- direkter und intensiver als dies gewöhnlicher Schulunterricht vermag- mit regelmäßigen Fahrten nach Auschwitz und durch unzählige Schulbesuche die Ausein andersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozia- listen ermöglicht. Für Herman Rein-

Hermann Reineck ist gestorben

Hermann Reineck ist tot. Der Präsi- dent derLagerge- meinschaft Ausch- witz starb am 29. Dezember kurz vor Vollendung seines 77. Lebensjahres. Reineck, der in Gambach lebte, ar- beitete gegen das

Vergessen. Die Nazis hatten den gebürtigen Wiener ins KZ Auschwitz gesteckt. Er gehörte zu den vier von 1860 Menschen seines Trans-

eck war die Aufklärungsarbeit innere Berufung und selbstgewählte Lebens- aufgabe, um die demokratische Gesin nung seiner Mitmenschen zu fördern und zu festigen, und- vor allem- um die Jugendlichen und Heranwachsen- den resistent zu machen gegenüber ex- tremistischen Finflüssen, resümierte der Landrat.

In seinem Beileidsschreiben an die Witwe Anni Roßmann-Reineck wür- digte Rolf Gnadl die unermeßlich wert- volle Arbeit von Hermann Reineck und bedauerte, daß ihm nicht vergönnt war, mit der Gewißheit zu sterben, daß die gesellschaftlichen Ursachen, die einst zu Auschwitz führten, ein für allemal ausgeräumt sind: Es ist nun an ande- ren, die Aufklärungsarbeit im Sinne Hermann Reinecks fortzusetzen?.

ports, die Auschwitz überlebten.Uber Auschwitz darf kein Gras wachsen diese Erkenntnis wurde sein Lebensmotto.

1964 war Reineck Zeuge im hranu Auschwitz-Prozeß. Er lernte dort sein Spätere Frau Anni Roßmann kennen und siedelte noch im selben Jahr in die Bun- desrepublik über. Nach österreichischem Vorbild gründete er 1979 dieLagerge- meinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer In dem Verein haben Vberlebende des menschenverachtenden Naziterrors sowie Menschen zusammen- gefunden, denen die Weitergabe des Ver- mãächtnisses der Opfer von Auschwitz an künftige Generationen als besondere Ver- pflichtung zu Frieden und Versöhnung am Herzen liegt

Frankfurter Rundschau, 2. J. 1996