Heft 
(1995) 1/1995. April 1995
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21

Gespräch mit Teilnehmern einer Studienfahrt nach Auschwitz

Es ist nicht so, daß man hinfährt und hat dann alles kapiert?

Wichtig ist ihnen vor allem das Bild mit dem abgestorbenen Baum, sagen Kaba, Jan, Aljoscha und Daniel. Die 18jährige Kaba war vor drei Jahren in Auschwitz mit einer Gruppe des Jugendbildungswerkes. Ihre gleichaltrigen Mitschüler von der Gießener Ostschule hatten ein Jahr später an einer von der Kreis-SV organisierten Fahrt nach Auschwitz teilgenommen. Bei den jeweiligen Vorbereitungstreffen der beiden Studienaufenthalte hatte auch immer ein Gesprächsnachmittag mit dem ehemaligen Auschwitzhäftling Hermann Reineck stattgefunden. Die zweite Gruppe hatte nach der Rück- kehr aus einer Unzahl von Fotos eine Ausstellung zusammengestellt, zu der

auch die besagte Aufnahme von dem abgestorbenen Baum gehört.

Der Baum steht auf einer grünen Wiese und die beiden verdorrten Hauptäste ragen in den Höhe. Er symbolisiere die heutige Realität von Auschwitz wieder, sind sich die vier jungen Erwachsenen einig. Er ist eine erkennbar'tote Sache, während überall die Natur siegt und fast alles Zzuwachse.

Daß das Foto von dem Baum in die Ausstellung aufgenommen wur- de, sei auch bei den anderen Schüle- rinnen und Schülern, die bei der Zu- sammenstellung mitgearbeitet hat- ten, unumstritten gewesen, erzählen die vier Auschwitzbesucher. Anson- sten habe es bei der Auswahl der mehrere hundert Aufnahmen um- fassenden Bildbestände kontroverse Diskussionen gegeben. Für das Foto von der schweren Straßenwalze, mit der die Häftlinge die Lagerwege fast täglich planieren mußten, habe sich eigentlich niemand so recht ausge- sprochen. Daß es schließlich doch aufgenommen wurde, finden Aljo- scha und Daniel aber in Ordnung.

Auch Jan stimmt zu:'Sie gehörte zum Arbeitsalltag der Häftlinge.

Uber das Konzept der Ausstellung waren sich die Teilnehmer und Teil- nehmerinnen der Auschwitzfahrt schnell einig gewesen. Die Findrük- ke sollten durch die Fotos weiterge- geben und nicht mit langen Texter- klärungen in Worte gefaßt werden. Die spärlichen schriftlichen Infor- mationen beschränken sich darauf einige Daten zu nennen. Zum Bei- spiel, daß in Birkenau in den Holzba- racken, die eigentlich als Ställe für jeweils 52 Pferde konstruiert waren, über 800 Häftlinge untergebracht waren. Oder daß das Verbrennen von 2000 menschlichen Leichen in 5 Ofen ca. 12 Stunden dauerte; in Au- Schwitz waren zwei Krematorien mit je 5 Ofen und zwei weitere mit je 4 größeren Ofen in Betrieb. Es bleibt den Betrachtern überlassen Schlüsse zu ziehen und Fragen zu stellen.

An die Arbeit mit der Ausstellung habe man sich nicht gemacht, um ein Ergebnis der Fahrt präsentieren