Heft 
(1995) 1/1995. April 1995
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer

Was war das Ergebnis? Die Ton- Dia-Serie bringt nach wenigen Mi- nuten die letzten Privatgespräche zum Erlöschen. Alle verfolgen den Fortgang, 500 Schülerlnnen sind mi- nutenlang nach der Serie betroffen und schweigen total. Was sich in den Köpfen abspielt kann nur erahnt werden. Ftwas' nicht näher zu Be- stimmendes hat sich aber getan, was sich aus den Reaktionen schließen läßt.

Gezielte Fragen kommen im An- schluß von den'besser? Vorbereite- ten und nach einer Stunde teil sich die Großgruppe. 2/3 sind von den Berichten gefesselt und hätten ver- mutlich das Bedürfnis'nach mehr?. 1/3 jedoch flüchtet körperlich und evtl. auch geistig, was sich durch Toilettengänge, Raucherpausen oder Unterhaltungen äußerlich zeigt. Al- lerdings wirken sich auch die von den Schülerlnnen gewohnten Pausen aus, und es stören die festgelegten Zeiten für Bustransporte. Das The- ma Auschwitz läßt sich nicht in 90 Minuten-Takte pressen, muß aber auch unter den Bedingungen der Schulrealität vermittelt werden. Vielleicht ist es auch für einige in- haltlich zuviel.

Nach zweieinhalb Stunden wird die Veranstaltung unterbrochen und nach einer Mittagspause wird auf freiwilliger Ebene außerhalb der Schulzeit für Interessierte im Rah- men einer Diskussion mit Kazimierz Smolen und Hermann Reineck eine Fortsetzung angeboten. Dort kommt ein'harter Kern' von denen, die so- wieso schon viel wissen und die eine

der wenigen Gelegenheiten nutzen, um mit Zeitzeugen zu reden. Die Schon etwas Wissenden werden also noch besser.

Trotzdem gibt es im Nachhinein nicht erwartete Ansätze: In mehre- ren Klassen entsteht eine MNach- frage nach dem Thema und viele Wünsche drehen sich um den ak tuellen Bezug, wie z. B. den Umgang mit Rechtsradikalen oder den Um- gang von Richtern mit rechten Ge- walttätern. Es hat den Anschein, als seien manche'anmotiviert und möglicherweise die besonders Inter- essierten von morgen.

Manche läßt auch alles'kalt, tra- gen Desinteresse zur Schau und man könnte resignieren. Wenn aber die Erwartungshaltung nicht falsch ist und man einkalkuliert, daß auch kleinste Erfolge sinnvoll sind, so ist das'nicht perfekte Beschäftigen mit Auschwit?z immer noch besser als inaktiv sein. Es wurde also eine Abwägung getroffen zwischen einer optimalen Themenvermittlung bei ein oder zwei Klassen und eine Darstellung des Themas Auschwit?z mit Kompromissen bei einer breiten Schülerlnnengruppe. Das Letztere wurde gewählt, weil der Gesamter- folg größer schin.

Wenn an der Schule die beiden Klassen aus Polen zurückkommen, werden sie ihre- eventuell unvoll- kommen Bilder und Uberlegungen prãsentieren und es wird neue Den- kanstöße geben. Das Motto heißt dann*steter Tropfen höhlt den Stein auch wenn der Tropfen klein ist*.

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