6 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer
Wie erleben nachgeborene' SchülerInnen
und LehrerInnen das Thema Auschwitz dargestellt am praktischen Beispiel a von Diethardt Stamm
Es gibt viele Berichte über Fahr- ten von Schulklassen nach Au- schwit?z, Gruppenfahrten der Ju- gendbildungswerke an diesen Ort oder auch Studienfahrten organi- siert durch die Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Au- schwitzer. Weiter gibt es Darstellun- gen über besonders intensive Be- schäftigungen mit dem Themen Auschwitz, Drittes Reich und Fa- schismus. Immer gibt es dabei Quali- tãtsunterschiede in Abhängigkeit der Gruppenvorkenntnisse und— homogenität, des Vorwissens der Be- treuer und Lehrerlnnen, vorhande- ner Motivationen, bestimmter Me- thoden bei der Vermittlung oder dem Vorhandensein von Zeitzeugen. Oft werden dann auch Vergleiche zu einer'optimalen'“ Themenbe- handlung angestellt, die gewollt oder ungewollt, den Effekt haben, unter dem unausgesprochenen Mot- to'für mich als Lehrenden ist das alles zu kompliziert“, das Thema ab- zuwürgen.
Auch die nicht'perfekte“ Be- schäftigungsart mit dem Thema Auschwitz soll deshalb ihre Berech- tigung haben. Am Beispiel einer Veranstaltung der Beruflichen Schule Butzbach am 9. Februar 1995 sollen dazu einige Anregungen er- folgen.
Nicht nur wenige Schülerlnnen und Studierende der beruflichen
Schule Butzbach sollten sich mit dem einschlägigen Thema befassen, Sondern alle. Dies bedeutet, daß ein Schüler im Berufsvorbereitungsjahr und oft ohne Hauptschulabschluß sich Auschwitz ebenso zu widmen hatte, wie der erwachsene Studieren- de im Rahmen einer beruflichen Weiterqualifizierung. Alle Möglich- keiten, die der Schule zur Verfü- gung standen, wurde dabei genutzt.
Es wurden aber nicht Lehrerlnnen und Schülerlnnen mit Informations- material'erschlagen', was punktu- ell aus Anlaß des 50. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz vielfach vorhanden war. Es sollten Angste vor dem Thema genommen und nicht entfacht werden. Zur Verfü- gung stand Lehrpersonal unter- schiedlicher Qualifikation, nämlich ausgebildete Politiklehrer genauso wie überwiegend technisch gebildet Lehrer. Auch die letzt genannten ga- ben sich viel Mühe bei der Aufberei- tung des Themas und niemand kriti- sierte- was möglich gewesen wäre Spitzfindig, daß nicht alle'i-Punk- te' gesetzt wurden.
Schuleigene Videos wurden einge- setzt, erreichten aber primãär die bei- den Klassen, die Ende Februar nach Polen und Auschwitz fuhren, sowie andere besonders interessierte Schü- lergruppen. Finschlägige Bücher in Klassensatzstärke, die jedoch nur beschränkt vorhanden waren, fan-


