Heft 
(1994) 4/1994. Dezember 1994
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25

Presseerklärung zum Projekt Zukunftswerkstatt Weltpartnerschaft

Flüchtlinge sind Botschafter des Unrechts

Die Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer un- terstũtzt das Projekt des VereinsZukunftswerkstatt Weltpartnerschaft?, auf Schloß Naumburg ein aktives Flüchtlingsheim mit internationaler Bildungs- und Begegnungsstätte aufzubauen. Als sowohl symbolische Geste wie auch als kleinen materiellen Beitrag verstehen wir unsere Entschei- dung, einenBaustein zum Erwerb der Naumburg(Main-Kinzig-Kreis) zu kaufen.

Nach dem Konzept des Vereins Zukunftswerkstatt Weltpartnerschaft sollen Flüchtlinge und Einheimische daran arbeiten, Fluchtursacher zu erkennen und zu bekämpfen, voneinander zu lernen und gegenseitige Vorurteile abzubauen und somit gegen Fremdenfeindlichkeit, Nazismus und Rassismus einzutreten. Diese Ziele sind auch Grundsätze der Lagerge- meinschaft Auschwitz. Die Gegner des Nationalsozialismus und die ehe-

maligen Häftlinge in den Gefäng- nissen der Gestapo und in den Staatskanzlei kauft

Konzentrationslagern haben am zehnBausteine' eigenen Leib und der eigenen See⸗(..) Hessens Ministerpräsident Hans

le erfahren, was Verfolgung und ſ Pichel verbindet mit der Unterstüt-

Vertreibung aus rassistischen, po- ſ zung der Landesregierung seine besten litischen und religiösen Gründen ſwünsche für den Erfolg des Projektes. bedeutet. Auch Jürgen Rollmann, Präsident

Bestrebungen, die Fluchtursa- der Vereinigung der Vertragsspieler chen aufzudecken und zu be- und früher Torwart des MSV Duis-

kampfen, können und dürfen burg, wirbt für die Zukunftswerk-

tatt. In derKicker Sportillustrierten? Gich allein Angelegenheiten der S 2 Projekt

Menschen sein. die in ihren Heim- Nidde rauerAnzeiger, 15. 12. 1994 atländern verfolgt werden und

flichen müssen. Es geht auch um unsere Zukunft und unsere Vorstellungen von einem friedlichen Zusammenleben.Flüchtlinge sind Botschafter des weltweiten Unrechts, formulierte es einmal Herbert Leuninger, der Mit- gründer der OrganisationPro Asyl'.

An den kriegerischen und undemokratischen Bedingungen in vielen Ländern der Welt sind auch die westlichen Industriestaaten durch vielfälti- ge politische, ökonomische(z. B. Waffenexporte) und ökologische(z. B. Müllexporte) Verflechtungen mitverantwortlich. Um es erneut mit den Worten von Herbert Leuninger zu beschreiben,wenn wir nicht lernen, mit Flüchtlingen zu leben, werden wir nicht in der Lage sein, die wirklichen Herausforderungen einer zusammenwachsenden Weltgesellschaft zu bewäl- tigen.