Heft 
(1994) 3/1994. Oktober 1994
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Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 31

Eine Berichtigung von Klaus Konrad-Tromsdorf

Fin Fehler mit Folgen

Den Fehler, um den es hier geht, habe ich zu verantworten. In meinem Bericht Auskünfte über eine Biographie, veröffentlicht in den Mittei- lungsblãttern vom Juni 1994, in dem ich über eine Geldspende, besser: über den Spender selber, schrieb, habe ich das Datum des deutschen Uberfalls auf Frankreich falsch angegeben. Nicht 1942, wie geschrieben, 1 9 4 0 hätte es lauten müssen. Die Folge: eine Leserin schrieb daraufhin an die Redakti- on, faktische Fehler, so ihr Argument, dürften uns am allerwenigsten unter-

laufen. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Berichtigung und Entschuldigung sind also einem interessierten,

aufmerksamen und sensibelen Menschen zu verdanken. Danke!

Vor 50 Jahren wurde mit dem KZ Maſdanek das erste Vernichtungslager befreit

Ein Berg menschlicher Asche.

Am 23. Juli 1944 sticßen Soldaten der so- wjetischen und der 1. polnischen Armee zur polnischen Stadt Lublin vor und befrciten das Konzentrationslager Majdanck. Es war das er- ste Vernichtungslager, das die Alliierten er- rcichten, und da der S8 keine Zeit zur Zer- störung der riesigen Anlagen blieb, war die ge- samle Vernichtungsfabrik mit den Gaskammern und Verbrennungsöfen völlig intakt. Befreit wurden etwa 1000 dem Hungertode nahe Häft- linge.

Madjanek, das war ein ca. 30 ha umfassendes Gelãnde mit 150 Baracken, getrennt für Männer, Frauen und Kinder, dem Appellplatz mit Galgen, £ den Gaskammern und sieben Verbrennungsöfen.

Mit den das Lager befreienden Soldaten kam der Schriftsteller Konstantin Simonov. In seinen Kriegstagebüchern hat er versucht, das Unvor- stellbare festzuhalten. Er habe Tag und Nacht notiert, dabei immer in dem Gefühl, er könne angesichts des Grauens verrückt werden:Die Gaskammern quadratischer Raum 66 Meter: hermeusch verschließbare Stahltür; ein Guck- loch in Kopfhöhe. Die nackten Menschen muß- len dichigedrängt in der großen Kammer stehen, so vollgepfercht, daß die Toten nicht umfielen. Die Baracke mit dem Schuhwerk.. Die Last hat ein Stück Wand eingedrückt. Wie viele? Viel- leicht eine Million. Das Schrecklichste: zehntau- sende Kinderschuhe.

Nach der Befreiung haben polnische Gerichte 108 SS-Angehörige aus einer Gesamtzahl von

1037 Majdanck-Bewachern verurteilt, unter ihnen drei chemalige Lagerkommandanten?um

Tode. Die Mehrzahl dieser Verbrecher gegen

die Menschlichkeit war jedoch in der BRD un- tergetaucht. Und dort geschah bis 1965 2wei Jahrzehnte lang faktisch nichts. Zwar wurde gegen 358 Personen ermittelt, aber die Verfah- ren gegen 59 Personen sukzessive eingestellt. Währenddessen wurden weitere Amnestiegeset- ze im Bundestag durchgedrückt. Schließlich kam es nach 30(1) Jahren im November 1975 in Düsseldorf zum Prozeß gegen 15 Bewacher des chemaligen KZ der Waffen-SS-Lublin- Majdanek. Das Verfahren ist in die Justizge- schichte der BRD mit seiner Kette von Skanda- len eingegangen:

Es wurde mit 474 Verhandlungstagen zum längsten(und teuersten) Prozeß in der Ge- schichte der BRD:

Die Angeklagten sämtlich des 100 fachen Mordes beschuldigt befanden sich auf freiem Fuß; es bestand wohin sollten sie auch ent- weichen? angeblich keine Fluchtgefahr!

Ein Anwalt erdreistete sich, den Sachver- ständigen Dr. Scheffler abzulehnen, weil ein Betreuer von dessen Doktorarbeit einen jüdi- schen Namen hatte.

Der Prozeß endete mit nur einer lebenslangen Frciheitsstrafe; selbst der Lagerführer Hack- mann kam mit einer Zeithaftstrafe davon. Zu den Freigesprochenen gehörte der KZLager- arzt Schmidt, dem nicht genügend Einzeltaten nachzuweisen waren, vermutlich, weil keines seiner Opfer überlebie.