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(1994) 3/1994. Oktober 1994
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27

durchzusetzen. Herr Krause kennt Gott und die Welt und kann uns un- ter Umständen Wege zeigen, die wir noch nicht gegangen sind, kom- mentierte Ernst Joachim Bartels, einer von zwei geschäftsführenden Liquidatoren der I6 Farben i. A., die

»Qualifikation des neuen Auf- sichtsrates. Raffke Krause hatte seinerseit für die letzte DDR-

Regierung den Einigungsvertrag ausgehandelt, und müßte so eigent- lich am besten wissen wie man die deutsch-deutsche EFigentumsrege- lung aushebelt, mutmaßte völlig zu

Skulptur eines Auschwitz-Hdftlings

Recht der Journalist Ralf Neubauer in der Zeit(Nr. 35, 26.8.1994).

Als im Sommer Gorbatschow er- klärte, daß die Unantastbarkeit der Enteigungen nicht Bestandteil der Bedingungen für die Vereinigung gewesen sei, kam bei den Aktionären der I6 Farben i. A. erneutGoldgrä- berstimmung' auf. Zuvor war die Stimmung einigermaßen gedämpft, denn der Bundestag hatte beschlos- sen, daß Rückgaben für Kriegsver- brecher und deren Nachfolger aus- geschlossen sind. Die Liquidatoren haben das Verfassungsgericht ange- rufen. Anstelle einer Rückgabe der Ost-Immobilien wären sie wahr- scheinlich schon mit einer Entschä- digung hoch zufrieden.

Besonders auf die beanspruchten rund 130 000 Quadratmeter Land in Ostberlin machen sich die auf Ak kumulation bedachten Liquidatoren des ehemaligen Kriegskonzern Hoffnungen. Enteignungen durch die UdSSR wurden hier zum Teil erst nach der Gründung der DDR bekannt gegeben. Nach Meinung der I6 Farben-Erben seien die Konfis- kationen damit unrechtmãäßig.

Während der neue Aufsichtsrat Günther Krause sichnicht verant- wortlich fühlt', was die I6 Farben im Krieg gemacht hat, ist sein Par- teikollege und ehemaliger Chef Lo- Ministerpräsident, anderer Mei- nung. Er bezeichnete es als'mora- lischen Skandal, daß Nachfolger ei- nes NS- und Kriegsverbrecherkon- zerns es überhaupt wagen, solche Restituions-Ansprüche zu stellen, bei denen es nur um private Berei- cherung geht', während an die Op- fer keine Sekunde gedacht werde(in DieWoche vom 15. 9. 1994).