Lagergemeinschaft Auschwit?- Freundeskreis der Auschwitzer
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den letzten Jahren ist auch der Op- ferforschung bewußt geworden, daß es wichtig ist, die Opfer unter anderem nach ihrem Geschlecht zu unterscheiden. Offenbar hat die deutsche Forschung erst jetzt, knapp 50 Jahre später, die Not- wendigkeit erkannt, den Opfern Qns Gesicht zu sehen Die Ausstel- lung„Frauen und Konzentrations- lager“, die aus einem historischen
Seminar der VUniversitãt Hannover hervorgegangen ist, ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
Die Ausstellung ist bis zum 8. Juli im K?Z Ber- gen·Belben, tãglich zwischen 9 und 18 Uhr?u besichtigen. Das Foto und die Zeichnung ent- stammen dem überaus informativen und sorgfãltig editierten Begleitband zur Ausstel- lung Claus Füllberg-Stolberg(Hrsg.) Frauen in Konzentrationslagern“, Edition Temmen, 34 DM. Zum Weiterlesen: Hanna Levy-Hass: Vielleicht war das alles erst der Anfang, Tagebuch aus dem K?Z Ber- gen Belsen“ Rotbuch, 12 PM
Dachauer Hefte“(3), Frauen— Verfolgung und Widerstand, 22 DM
Gudrun Schwarz„Die nationalsozialisti- schen Lager“ Campus, 38 DM
„Kurz nachdem die British
Red Cross Service Teams Bergen-Belsen erreicht hatten, kam auch eine große Ladung Lippenstifte an. Das war über- haupt nicht, was wir benötigten; uns fehlten tausend andere Dinge sehr dringend, und ich weiß nicht, wer Lippenstifte an- gefordert hatte. Ich gäbe etwas darum, herauszufinden, wer sie bestellte: Es war eine geniale Tat, sSchlichtweg brillant. Ich glaube, nichts half den Internier- ten mehr als diese Lippenstifte. Frauen lagen ohne Nachthemd in Betten ohne Laken, aber mit roten Lippen. Sie liefen umher mit nichts als einer Decke über
den Schultern, aber mit roten Lippen. Ich sah eine tote Frau, aufgebahrt auf dem Sterbebett, die in ihren Händen einen Lip- penstift umldammerthielt. Verstehen Sie, was ich meine? Endlich hatte jemand etwas ge- tan, um sie wieder zu Individuen zu machen. Sie waren jemand- nicht länger bloß eine eintäto- wierte Nummer. Endlich konn- ten sie sich wieder für ihre Er- Scheinung interessieren— diese Lippenstifte gaben ihnen ihre Menschlichkeit wieder.“
Lieutenant-Colonel M. W. Gronin, Kommandeur der britischen Sanitäts- einheit, die ab April 45 für die Versor- gung und Evakuierung der Kranken verantwortlich war.


